ARCHÄOLOGISCHES INSTITUT GÖTTINGEN

[Bildquelle:] Copyright: Archäologisches Institut der Universität Göttingen

Mädchen von Antium

Allgemeine Angaben

Inventarnummer:

A 1663

Kurzbezeichnung:

Mädchen von Antium

Abguss

Breite Abguss:

0.85m

Höhe Abguss:

1.74m

Dicke Abguss:

0.61m

Material:

Gips

Bemerkung:

Aus Rom, Universität, Museo dell`Arte Classica, Gipsoteca (M. Barbanera), durch Former
Pietro Simonelli im Tausch erhalten.

Bezugsdatum:

1996

Original

Name:

Mädchen von Antium

Material:

Marmor

Format:

lebensgroß

Gattung:

Rundplastik

Untergattung:

Idealfigur

Baukomplex:

Villa

Herkunft:

Land: Italien, Ort: Anzio

Herkunft Sonstiges:

1878 in den Resten einer römischen Villa der frühen
Kaiserzeit gefunden.

Datierung:

-0260 bis -0240

Epoche:

Hellenismus

Aufbewahrung:

Land: Italien
Ort: Rom
Museum: Thermenmuseum
Inventarnummer: 50170


Aufmerksam blickt die junge Frau auf das große runde Tablett in ihrer linken Hand, auf dem verschiedene Kultgegenständen ausgebreitet sind: eine zusammengerollte Binde, ein Lorbeerzweig, ein Räuchergefäß. Offensichtlich ist sie eine Opferdienerin, die eine heilige Handlung vorbereitet. Um bei dieser Tätigkeit nicht von ihrer stoffreichen Bekleidung behindert zu werden, hat sie einen Teil des Mantels als waagrechten Wulst um den Körper gewickelt und einen Zipfel über die linke Schulter geworfen. Ihre Haare hat sie über der Stirn zu einem unregelmäßigen Knoten zusammengebunden. Das fein gefältelte, direkt unter der Brust gegürtete Untergewand ist von der rechten Schulter herabgeglitten. Die nackte Schulter und der Kopf sind aus einem eigenen Marmorstück gearbeitet, ebenso wie der heute verlorene rechte Arm, der zu dem Tablett geführt war.

Die in einer Villa des Kaisers Nero im Küstenort Antium bei Rom gefundene Statue ist ein Meisterwerk der frühhellenistischen Plastik aus der Mitte des 3. Jahrhunderts vor Christus. Einiges spricht sogar dafür, dass es sich um eine Originalarbeit und nicht um eine römische Kopie handelt.

Stilistisch kennzeichnend sind: der komplexe räumliche Aufbau der Figur, der nur beim Betrachten von verschiedenen Seiten erfasst werden kann; das sperrige Standmotiv, das die Regeln des klassischen Kontraposts bewusst negiert; das komplizierte, an Brüchen und Gegensätzen reiche System der Gewandfalten, die wie zufällig arrangiert wirken, in Wirklichkeit aber einer strengen Ordnung unterliegen; die realistische Wiedergabe der unterschiedlichen Stoffqualitäten und des Gegensatzes zwischen Gewand und nackter Haut; das Interesse an der genauen Schilderung einer unspektakulären, ‚alltäglichen‘ Tätigkeit.