ARCHÄOLOGISCHES INSTITUT GÖTTINGEN

[Bildquelle:] Copyright: Archäologisches Institut der Universität Göttingen

Bildnis des Iulius Caesar

Allgemeine Angaben

Inventarnummer:

A 1712

Kurzbezeichnung:

Bildnis des Iulius Caesar

Abguss

Breite Abguss:

0.18m

Höhe Abguss:

0.33m

Dicke Abguss:

0.22m

Material:

Gips

Bemerkung:

Zweitguss nach Abguss in Tübingen.

Bezugsdatum:

2003

Original

Name:

Bildnis des Iulius Caesar

Material:

Marmor

Format:

lebensgroß

Gattung:

Rundplastik

Untergattung:

Porträt

Herkunft:

Land: Italien, Ort: Tusculum

Aufbewahrung:

Land: Italien
Ort: Turin
Museum: Museo di Antichità


Unter den nicht sehr zahlreich erhaltenen Porträts des
Gaius Iulius Caesar gilt der in Tusculum gefundene, heute im Museum von
Turin aufbewahrte Kopf als das einzige wohl noch zu Lebzeiten des
Diktators entstandene Exemplar. Trotz der Verwitterung der Oberfläche
und der stellenweise nur mittelmäßigen Bildhauerarbeit gibt der Kopf den
zugrunde liegenden Porträttypus offenbar sehr treu wieder. Der dünne,
faltige Hals und die extrem unregelmäßige, ‚verbeulte‘ Form des
Schädels, der auf dem Oberkopf sattelartig eingesenkt erscheint, kehren
ähnlich auch auf zeitgenössischen Münzbildern Caesars wieder. Diese für
das spätrepublikanische Porträt kennzeichnenden veristischen Züge galten
in der anschließenden, klassizistisch geprägten Epoche des Augustus als
unschön und wurden daher beim Kopieren des Typus abgemildert. Ein 2003
auf der Insel Pantelleria gefundener Caesarkopf aus der Zeit des
Claudius (um 50 n. Chr.) geht zwar auf denselben Typus zurück wie der
Caesar Tusculum, unterdrückt aber die oben aufgezählten Charakteristika
im Sinne der frühkaiserzeitlichen Porträtnorm. Noch weiter geht ein
anderer, wohl unter Augustus geschaffener Porträttyp, der die
individuellen Züge durch idealisierende Formeln ersetzt, wie man sie
auch bei vielen anderen Köpfen der augusteischen Zeit, etwa auf der Ara
Pacis, findet. Vor diesem Hintergrund tritt das Besondere und
Eigentümliche des Porträts aus Tusculum umso deutlicher hervor. Dem
überaus ehrgeizigen und bei anderen Gelegenheiten nicht uneitlen
Dictator scheint es in seiner bildlichen Selbstdarstellung nicht darauf
angekommen zu sein, schöner und heroischer zu erscheinen als in
Wirklichkeit. Auf die zu seiner Zeit von anderen Politikern ausgiebig
genutzten hellenistischen Formeln der überhöhenden Herrscherdarstellung
hat er offenbar bewusst verzichtet. Es wäre denkbar, dass Caesar gerade
dadurch seine persönliche Überlegenheit und seine Unabhängigkeit von
herkömmlichen Konventionen demonstrieren wollte. Dazu scheint der
spöttisch-ironischen Zug zu passen, den manche Beobachter im Ausdruck
des Porträts aus Tusculum zu erkennen glauben. Doch fehlt solchen
Deutungen einstweilen die feste Grundlage.