ARCHÄOLOGISCHES INSTITUT GÖTTINGEN

[Bildquelle:] Copyright: Archäologisches Institut der Universität Göttingen

Kalbträger (Weihgeschenk des Rhombos)

Allgemeine Angaben

Inventarnummer:

A 10

Kurzbezeichnung:

Kalbträger (Weihgeschenk des Rhombos)

Abguss

Breite Abguss:

54cm

Höhe Abguss:

103cm

Dicke Abguss:

33cm

Material:

Gips

Bemerkung:

Abguss ohne die zugehörige Inschrift

Original

Name:

Kalbträger

Material:

Marmor

Funktion:

Weihung

Gattung:

Rundplastik

Untergattung:

Porträt

Ergänzungen:

Hals des Kalbes

Baukomplex:

Akropolis

Fundstelle:

im Perserschutt auf der Akropolis
gefunden

Herkunft:

Land: Griechenland, Ort: Athen

Datierung:

-0570 bis -0560

Epoche:

Archaik

Aufbewahrung:

Land: Griechenland
Ort: Athen
Museum: Akropolismuseum
Inventarnummer: 624


Die Figur des Kalbträgers wurde bei den Ausgrabungen auf der Akropolis im sogenannten „Perserschutt“ gefunden. Sie war dort bis zu ihrer Zerstörung als Weihgeschenk aufgestellt. Am Original sind noch Reste der für antike Skulpturen üblichen Bemalung zu erkennen. Durch eine auf der Basis angebracht Inschrift ist auch der Stifter bekannt: Rhombos hat es geweiht, Sohn des Palos.

Die kostbare Weihung zeigt an, dass es sich bei diesem Stifter um einen reichen Angehörigen des athenischen Adels gehandelt haben muss, der die Statue eines Opferträgers auf die Akropolis weihte. Obwohl die Figur in vielen Zügen dem allgemein gültigen Schema des Kuros folgt, weist sie einige Besonderheiten auf. Im Gegensatz zu den jugendlich und nackt dargestellten Kuroi ist der Kalbträger sowohl mit einem Mantel bekleidet, als auch durch einen Bart als erwachsener Mann gekennzeichnet. Die Augäpfel waren mit Glaspaste separat eingelegt und sind heute verloren. Anhand der Armhaltung und des Motivs wird der Unterschied besonders deutlich, da bei den Kuroi immer beide Arme am Oberschenkel anliegen. Das Motiv des Opferträgers stammt aus dem Nahen Osten und findet sich bereits in früherer Zeit in der griechischen Kleinplastik in Form von Statuetten. Es kann heute nicht mehr entschieden werden, ob in der Figur das Idealbild eines Opfernden oder der opfernde Stifter selbst zu sehen ist. In beiden Fällen ist aber mit der Figur des Kalbträgers ein Idealbild des athenischen Adels um 570−60 v. Chr. geprägt worden.

Die Statue des Kalbträgers wurde auf der Akropolis von Athen gefunden. Sie ist ein ungewöhnliches Werk, denn anders als die typischen Männerfiguren der archaischen Epoche, die sogenannten Kuroi, ist der Dargestellte bärtig und mit einem Mantel bekleidet. Die Arme liegen nicht am Körper an, sondern halten vor der Brust die Beine eines Kalbes fest, das der Mann als Opfergabe an die Göttin Athena auf den Schultern trägt. Die sich kreuzenden Diagonalen ergeben eine geordnete, symmetrische Komposition.

Auch die Basisinschrift der um 560 vor Christus entstandenen Statue hat sich erhalten. Daraus geht hervor, dass der Weihende Rhombos hieß. Doch leider ist über diesen offenbar vornehmen und wohlhabenden Mann sonst nichts bekannt.