ARCHÄOLOGISCHES INSTITUT GÖTTINGEN

[Bildquelle:] Copyright: Archäologisches Institut der Universität Göttingen

Statue des Sophokles ‚Lateran‘

Allgemeine Angaben

Inventarnummer:

A 322

Kurzbezeichnung:

Statue des Sophokles ‚Lateran‘

Abguss

Breite Abguss:

0.81m

Höhe Abguss:

2.04m

Dicke Abguss:

0.63m

Material:

Gips

Bemerkung:

Abguß in zwei Teilen, mit den Ergänzungen, mit Gußnähten.

Original

Name:

Statue des Sophokles ‚Lateran‘

Material:

Marmor

Format:

überlebensgroß

Gattung:

Rundplastik

Untergattung:

Porträt

Ergänzungen:

Nase, Teile der Brauen, der r. Wange und der r. Barthälfte,
Haarpartie über der r. Stirn, Teil der r. Hand, Teile des
Gewandes, Füße mit Scrinium und Plinthe.

Fundstelle:

1839 gefunden.

Herkunft:

Land: Italien, Ort: Terracina

Datierung:

-0340 bis -0330

Epoche:

Spätklassik (Griechische Antike)

Aufbewahrung:

Land: Italien
Ort: Rom
Museum: Vatikanische Museen
Inventarnummer: 9973


Die Statue wurde bei Terracina in den Ruinen einer römischen Villa gefunden. Im Vatikan befand sich bereits zu dieser Zeit eine Büste, die die gleichen Porträtzüge trägt − und durch eine Inschrift als Sophokles bezeichnet ist. Dadurch konnte die Statue als Darstellung des griechischen Tragödiendichters Sophokles bestimmt werden.

Sie gehörte zu einem Komplex dreier Statuen, die in den dreißiger Jahren des 4. Jahrhunderts v. Chr. im Dionysostheater von Athen aufgestellt wurden. Der athenische Politiker Lykurg hatte in der athenischen Volksversammlung die Aufstellung bronzener Statuen der drei großen attischen Tragödiendichter Aischylos, Sophokles und Euripides im Dionysostheater durchgesetzt, in dem ihre Tragödien uraufgeführt worden waren. Zugleich wurden ihre Tragödien schriftlich und verbindlich fixiert.

Sophokles ist als Redner dargestellt. Er trägt einen Mantel, der den ganzen Körper verhüllt, da von einem Redner äußerste Zurückhaltung erwartet wurde. Es galt vor allem, Gestikulieren zu vermeiden, wie es z.B. der athenische Redner Aischines verlangt:

„Und die früheren Redner, Männer wie Perikles, Themistokles und Aristides, waren so beherrscht, dass e damals als moralisch schlecht galt, den Arm frei zu bewegen, was ja heute allgemein üblich geworden ist, und dass man es deshalb unbedingt zu vermeiden suchte.“ (Aischines Tim. 25)

Durch diese Haltung sollten den athenischen Bürgern des 4. Jhs. v. Chr. allgemeine Bürgertugenden wie Zurückhaltung und Selbstbeherrschung als Ideale am Beispiel des Sophokles vorgestellt werden.