Allgemeine Angaben
Inventarnummer:
A 1708
Kurzbezeichnung:
Venezianer Tetrarchen
Abguss
Breite Abguss:
0.71m
Höhe Abguss:
1.38m
Dicke Abguss:
0.28m
Material:
Gips
Bemerkung:
Abguß Silvano Bertolin. Erworben aus Mitteln der Klosterkammer Hannover.
Bezugsdatum:
2002
Original
Name:
Venezianer Tetrarchen
Material:
Porphyr
Format:
unterlebensgroß
Funktion:
Bauplastik
Gattung:
Relief
Untergattung:
Porträt
Reliefgattung:
Architektonisches Relief
Herkunft:
Land: Italien
Herkunft Sonstiges:
1204 bei der Plünderung Konstantinopels im Vierten
Kreuzug erbeutet; vorher wohl im dortigen Philadelpheion
aufgestellt
Epoche:
Tetrarchen
Aufbewahrung:
Land: Italien
Ort: Venedig
Museum: Braccio Nuovo 14
Die fast rundplastisch wirkenden Reliefs wurden um 300 n. Chr. in einer ägyptischen Werkstatt aus dunkelrotem Porphyr hergestellt. Dieses sehr schwer zu bearbeitende Gestein war damals wie die Farbe Purpur generell der kaiserlichen Repräsentation vorbehalten.
Dargestellt sind vier Kaiser aus der Zeit der Tetrarchie. Das System der Vierkaiserherrschaft war 284 n. Chr. von Kaiser Diokletian eingeführt worden. Jeweils zwei Kaiser (Augusti) und zwei Unterkaiser (Caesares) regierten gemeinsam das in vier Teile gegliederte Römische Reich, und zwar nicht auf Lebenszeit, sondern befristet. Nach jeweils zehn Jahren traten die Augusti ihr Amt an die Caesares ab und es wurden neue Caesares ernannt.
In keinem anderen uns erhaltenen Monument ist dieses vollkommen neuartige Herrschaftssystem so sinnfällig dargestellt worden wie in diesen Reliefs. Jeweils ein Augustus und ein Caesar umarmen sich zum Zeichen ihrer Eintracht. Die Einigkeit der vier wird außerdem durch die übereinstimmende Tracht und die gleichartige Stilisierung der Gesichter unterstrichen.
Gerade die ein wenig naiv wirkende Darstellungsweise lässt die beabsichtigte Aussage besonders klar zum Ausdruck kommen. Die politische Dezentralisierung unter den Tetrarchen führte offenbar auch zu einem neuen stilistischen Pluralismus. Die bestimmende Rolle der kaiserlichen Werkstätten in der Hauptstadt Rom trat in den Hintergrund, provinzielle Werkstätten wie die der Porphyrreliefs konnten ihre eigenen Ausdrucksmittel entwickeln – Ausdrucksmittel, die den Bedürfnissen der Zeit oft viel besser entsprachen als der traditionelle Stil der Hofateliers.
Ursprünglich waren die 130 cm hohen Reliefs Teil von zwei mächtigen, ca. 7 Meter hohen Porphyrsäulen, die auf einem öffentlichen Platz in der Reichshauptstadt Konstantinopel standen. Im Gefolge der Plünderung der Stadt durch die Kreuzritter 1204 gelangten sie nach Venedig und wurden dort bereits im 13. Jh. an der Südwestecke der Schatzkammer von S. Marco verbaut, wo sie sich noch heute befinden. Nur der fehlende Fuß eines Tetrarchen blieb in Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, zurück und hat sich dort ebenfalls bis jetzt erhalten.




















































