ARCHÄOLOGISCHES INSTITUT GÖTTINGEN

[Bildquelle:] Copyright: Archäologisches Institut der Universität Göttingen

Kasseler Apoll

Allgemeine Angaben

Inventarnummer:

A 83

Kurzbezeichnung:

Kasseler Apoll

Abguss

Breite Abguss:

0.78m

Höhe Abguss:

1.98m

Dicke Abguss:

0.47m

Material:

Gips

Bemerkung:

Abguß mit den alten Ergänzungen, in vier Teilen, mit Gußnähten

Original

Name:

Kasseler Apoll

Material:

Marmor

Format:

lebensgroß

Gattung:

Rundplastik

Untergattung:

Idealfigur

Ergänzungen:

Basis, Teile des r. Fußes, Zehen, r. Knie, Glied, Mitte r.
Brust, drei Finger der r. Hand, Fingerspitzen, Teile der Nase.
Durch die zu kurze Ergänzung des r. Knies neigt sich der Körper
nach rechts. Der Fehler ist bei der Entrestaurierung der Statue
behoben worden.

Herkunft:

Land: Italien, Ort: Sabaudia

Datierung:

-0460 bis -0440

Epoche:

Strenger Stil

Aufbewahrung:

Land: Deutschland
Ort: Kassel
Museum: Antikenabteilung
Inventarnummer: 1


Die Marmorskulptur wurde bei Ausgrabungen auf dem Gelände einer Villa des römischen Kaisers Domitian bei Sabaudia gefunden, wo sie in einer Nische aufgestellt war. Sie gibt das verlorene Bronzeoriginal einer Statue des Apollon wieder, die um die Mitte des 5. Jh. v. Chr. entstand.

Beide Füße setzten auf dem Boden auf. Auf dem linken Standbein lastet das Gewicht des Körpers, während das rechte Spielbein angewinkelt ist. Baumstamm und Köcher gehören nicht zum Original der Statue, sondern sind vom Kopisten hinzugefügt. Da die Kopie in Marmor eine andere Statik aufweist als die Bronzefigur, dienen sie der Standfestigkeit der Statue. Insgesamt sind über 20 Marmorkopien dieser Figur erhalten, was die Wertschätzung dieser Skulptur in römischer Zeit verdeutlicht.

Außerdem ist die Figur auf Münzen und Gemmen dargestellt. Die Arme hielten die heute verlorenen Attribute. In der linken Hand können aufgrund erhaltener Reste und Fingerstellung ein Bogen und Pfeile rekonstruiert werden. Das Attribut der rechten Hand ist verloren. Der römische Reiseschriftsteller Pausanias (I 24,8) beschreibt im 2. Jh. n. Chr. bei seinem Rundgang auf der Akropolis in Athen eine Statue des Apollon Parnopios (=Heuschreckenabwenders), die Phidias gefertigt habe.

„Dem Tempel (Parthenon) gegenüber steht ein Apollon aus Bronze, und die Statue soll Phidias gemacht haben. Man nennt ihn den Parnopios, da der Gott ihnen (den Athenern) sagte, er werde ihnen die Heuschrecken, die ihrem Lande schadeten, aus dem Land vertreiben. Dass er sie vertrieb, weiß man, auf welche Weise, wird aber nicht gesagt…“

Aufgrund der Ähnlichkeit des Kassler Apolls mit den Skulpturen des Parthenon, die auch unter der Leitung des Phidias entstanden, vermutet man, dass die Figur eine Kopie des berühmten Apollon ist, den Phidias fertigte. In diesem Fall kann das verlorene Attribut der rechten Hand ergänzt werden − Apollon hielt eine Heuschrecke in der Hand.