Ergänzende Informationsangebote zu den Objekten und Themen, die im Virtuellen Rundgang behandelt werden.
Kontext
Kontext
Der Aphaitempel von Ägina
Aphaia ist eine nur in Ägina verehrte weibliche Fruchtbarkeitsgottheit, der Göttin Artemis eng verwandt. Schon in mykenischer Zeit wurden ihr auf einer einsamen, heute bewaldeten Bergkuppe im Norden der Insel Opfergaben dargebracht. Um 570 v. Chr. wurde an derselben Stelle ein steinerner Tempel dorischer Ordnung errichtet. Um 500 v. Chr. ersetzte man diesen durch einen dorischen Peripteros, einen allseits von Säulen umgebenen Von ihm stammen die berühmten, 1811 entdeckten Giebelfiguren, die Ägineten, die sich seit 1828 in der Glyptothek in München befinden.
Das Siphnierschatzhaus in Delphi
Eines der prächtigsten unter ihnen ließen um 530 v. Chr. die Bürger der Kykladeninsel Siphnos errichten. Es hatte die Form eines ionischen Antentempels, wobei die beiden Säulen zwischen den Anten (vorgezogenen Mauerzungen) durch Mädchenfiguren in der Art spätarchaischer Korenstatuen ersetzt waren. Die Giebel waren mit figürlichen Hochreliefs dekoriert. Der aus parischem Marmor errichtete Bau war 8,37 m lang, 5,95 m breit und 6,74 m hoch. Besonders gut erhalten ist der reliefgeschmückte Fries, der die Außenseite des Baus unterhalb des Daches rings umzog.
Er zeigt in vielfigurigen Darstellungen Szenen des griechischen Mythos: im Osten den Kampf um Troja, begleitet von einem lebhaften Dialog zwischen den im Olymp thronenden Göttern, im Norden die Schlacht zwischen Göttern und Giganten, im Westen das Urteil des Paris und im Süden eine nicht sicher gedeutete Szene mit Viergespannen. Für die Geschichte der spätarchaischen Plastik sind der Fries und der übrige Skulpturenschmuck des Siphnierschatzhauses nicht nur wegen ihrer hohen bildhauerischen Qualität, sondern auch wegen ihrer Datierung sehr wichtig. Das Schatzhaus kann nämlich schwerlich nach 525 v. Chr. errichtet worden sein, als die dank ihrer Gold- und Silberminen äußerst wohlhabende Insel Siphnos durch Flüchtlinge aus Samos gebrandschatzt wurde – ein Schlag, von dem sie sich nie wieder völlig erholte. Wie alle griechischen Marmorbauten und -skulpturen war auch das Schatzhaus der Siphnier in leuchtenden Farben bemalt.
Der Perserschutt
Die z. T. gerade im Bau befindlichen Tempel auf der Akropolis wurden zerstört, die zahllosen um die Tempel herum aufgestellten, der Stadtgöttin Athena geweihten Statuen wurden umgestoßen und zerschlagen. Bei den Aufräumungsarbeiten nach dem Abzug der Perser versuchten die Athener nicht, die geschändeten Weihgeschenke zu reparieren, sondern vergruben sie als unantastbaren Besitz der Göttin in den mächtigen Aufschüttungsschichten, mittels derer das Niveau der neu gestalteten Akropolis nun erheblich angehoben wurde. Dort wurden sie bei archäologischen Tiefgrabungen 1885-1890 wiedergefunden.
Neben zahllosen Weihgeschenken, insbesondere Statuen junger Mädchen (Koren) enthielt der ‚Perserschutt‘ u. a. die Reste mehrerer Tempelgiebel aus hocharchaischer Zeit. Viele Skulpturen zeigten noch außerordentlich gut erhaltene Reste ihrer ursprünglichen Bemalung. Zum Teil ist sie noch heute sichtbar. Sie ist ein Hinweis darauf, dass manche Werke bei ihrer Zerstörung durch die Perser erst wenige Jahrzehnte alt waren und noch nicht lange unter Licht- und Wettereinfluss gelitten hatten.
Das archaische Lächeln
Bei vielen Skulpturen der archaischen Zeit sind die Mundwinkel so deutlich nach oben gezogen, dass der Eindruck des Lächelns entsteht. Beispiele wie der sterbende Krieger aus Ägina zeigen, dass dieses ‚archaische Lächeln‘ situationsunabhängig gesehen werden muss. Es ist nicht psychischer Ausdruck einer heiteren Stimmung. Auch die Grabstatuen, die dieses Lächeln zeigen, legen den Schluss nahe, dass vielmehr abstraktere Inhalte ausgedrückt werden sollen. So wurde vorgeschlagen, die Mimik solle die dargestellte Person ganz allgemein als lebendig charakterisieren. Andere deuten sie als Zeichen aristokratischer charis (Anmut, Charme).
Der grundlegende Stilwandel in der Bildkunst des frühen 5. Jhs. v. Chr. geht einher mit einer auffälligen Veränderung des mimischen Ausdrucks der dargestellten Personen. Das bis dahin charakteristische ‚Lächeln‘ verschwindet aus den Gesichtern und weicht einem auffällig ernsten Ausdruck. Das betrifft nicht nur die Stellung der Lippen, sondern auch den Blick: War er in der Archaik ‚freudig‘ geradeaus gewandt, so ist er nun häufig ‚gedankenschwer‘ zum Boden gesenkt.
Der Kerameikos von Athen
Im Nordwesten des antiken Athen, am Ufer des Flüsschens Eridanos, lag das Töpferviertel Kerameikos (von griech. kéramos = Ton). Außerhalb der Stadtmauer, vor dem großen Doppeltor (Dipylon) erstreckte sich hier der wichtigste Friedhof der Stadt. Dieser wurde in den vergangenen hundert Jahren ausgegraben und als Archäologischer Park hergerichtet.
Schon um 1200 v. Chr. in der sogenannten Submykenischen Epoche, entstand hier ein ausgedehnter Bestattungsplatz. Für die Geometrische Zeit (900-700 v. Chr.) ist der Kerameikos einer der wichtigsten Fundorte überhaupt. Führende Adelsfamilien errichteten damals Grabhügel, die von riesigen (bis zu 150 cm hohen) Tonvasen mit feinmaschigem ‚geometrischen‘ Dekor bekrönt wurden. Von der sozialen Aufwertung breiterer Bevölkerungskreise zeugt eine große Zahl durchschnittlich ausgestatteter Gräber des späten 8. Jhs. v. Chr. Vom Wettbewerb zwischen den aristokratischen Familien zeugen mächtige runde Grabhügel (Tumuli) aus archaischer Zeit. Auf und neben ihnen standen u. a. marmorne Grabstatuen wie der 2002 entdeckte Dipylonkouros.
Im 5. Jh. werden die Tumuli abgelöst durch ein dichtes Netz kleinerer Familiengrabbezirke entlang der beiden nordwestlich aus der Stadt herausführenden Straßen, der Heiligen Straße nach Eleusis und dem sog. Dromos zum Hain des Heros Akademos, wo Platon im 4. Jh. seine berühmte Akademie einrichtete. Am Dromos lag auch das offizielle Staatsgrab (Demosion Sema) für die athenischen Kriegsgefallenen. Die Grabbezirke waren durch hohe Terrassenmauern zur Straße hin abgegrenzt, über denen sich Marmorgrabmäler unterschiedlichen Typs erhoben. Neben steinernen Grabvasen waren figürlich verzierte Reliefstelen besonders beliebt, auf denen verschiedene Familienmitglieder in einträchtigem Miteinander gezeigt sind. Diese Reliefs haben sich zu Tausenden erhalten. Die Reihe endet abrupt im späten 4. Jh. v. Chr., als der makedonische Statthalter Demetrios von Phaleron ein ‚Gräberluxusgesetz‘ erließ, das nur noch sehr schlichte Grabmalformen gestattete.
Ausstellungen
Ausstellung
Vom Gipsabguss zum 'Virtuellen Museum'. Dreidimensionale Reproduktionstechniken in der Archäologie:

Im Rahmenprogramm der Expo 2000 beschäftigte sich diese Ausstellung mit dem antiken Kopierwesen, der Technik des Gipsabgusses und modernen Verfahren zur ‚virtuellen‘ Reproduktion plastischer Objekte. [Elektronische Präsentation in Vorbereitung]
Neue Zeiten. Epochenwenden in der Antike:

Die materialreiche Ausstellung wurde anlässlich des Jahrtausendwechsels im Winter 2000/2001 veranstaltet: Allgemeine Fragen nach den Merkmalen von Epochenwenden und nach den Kriterien geschichtlicher Periodisierung werden am konkreten Beispiel der griechisch-römischen Kultur des Altertums durchgespielt und zur Diskussion gestellt. [Elektronische Präsentation in Vorbereitung]
Barbarentod und Venuskult

Griechische Skulpturen aus den Gärten Roms
Dank einer großzügigen Spende des Göttinger Verlagslektors Dr. Winfried Hellmann (1932-1999) (Abb. 01) konnte die Sammlung der Gipsabgüsse des Archäologischen Instituts um zwei wichtige Neuerwerbungen erweitert werden: Abgüsse der hochberühmten Galliergruppe Ludovisi (Abb. 02) und der Muse vom Esquilin (Abb. 03) .
Sie beleuchten eine der interessantesten und zugleich besonders schwierigen Epochen in der Geschichte der griechischen Plastik, nämlich das 3. Jahrhundert v. Chr. – die Frühphase des Hellenismus. Nur sehr wenige Originalwerke sind aus dieser Zeit bekannt.
Auch die beiden Neuerwerbungen sind nur als römische Kopien erhalten. Aufgrund ihrer hohen Qualität vermitteln sie gleichwohl eine gute Vorstellung von ihren hellenistischen Vorbildern. Darüber hinaus sind die beiden Statuen auch durch ihren Fundort miteinander verbunden. Sie stammen nämlich aus den weitläufigen Parkanlagen, den horti, die sich wie ein dichter Kranz um das Stadtzentrum des antiken Rom legten.
Das Themenmodul folgt dieser doppelten Spur. Einerseits analysiert es die formale Eigenart der beiden Statuen vor dem Hintergrund der Stilgeschichte des 3. Jahrhunderts v. Chr. und erläutert ihre inhaltliche Bedeutung unter den Stichworten Barbarentod und Venuskult.
Andererseits versucht es, die faszinierende Welt der römischen Luxusparks, in der die Marmorskulpturen aufgestellt waren, wieder lebendig werden zu lassen. Dazu werden die beiden Neuerwerbungen in einen Kontext weiterer Abgüsse der Sammlung ‚aus den Gärten Roms‘ gruppiert, die das breite Spektrum der Verwendungsmöglichkeiten originaler und kopierter griechischer Plastik in den römischen horti verdeutlichen können.


Videos
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Wie entsteht ein Gipsabguss?
Abgussformen wurden früher aus Gips hergestellt. Heute wird Silikonkautschuk als Abformmaterial bevorzugt, da er sehr biegsam ist. Es genügen nur wenige Negativformen, um auch kompliziert unterschnittene plastische Objekte abzugießen.Als Demonstrationsobjekt der folgenden Videosequenz dient ein Exponat aus der Göttinger Sammlung der Gipsabgüsse, der sogenannte Dipylon-Kopf aus der Zeit um 600 v. Chr. Von diesem Abguss wird eine Negativform hergestellt, um daraus weitere Abgüsse anfertigen zu können. Wegen seiner kompakten plastischen Form genügt eine einzige Silikonform, die wie ein Strumpf von dem Kopf abgezogen werden kann.




1) Die Vorlage wird mit einem Trennmittel eingestrichen, damit die Negativform sich später leichter lösen lässt.
2) In mehreren Schichten wird flüssiger Silikonkautschuk aufgestrichen.
3) Um die Wandungsstärke besser beurteilen zu können, wird eine Silikonschicht grün eingefärbt.
4) Stege zur Fixierung der äußeren Formschale werden angebracht. Die oberste Silikonschicht wird mit Flüssigseife gut geglättet.




5) Zur Stabilisierung der flexiblen Silikonschicht wird darüber eine feste Formschale aus Epoxidharz aufgebaut. Sie besteht aus drei Teilen. Zur Abgrenzung der drei Segmente gegeneinander werden Hilfsstege aus Holz und Ton angelegt.
6) Das Epoxidharz wird in cremeartigem Zustand als dünne Schicht mit dem Pinsel auf die Silikonform aufgestrichen.
7) Jeweils nach dem Aushärten eines Segments wird der Hilfssteg entfernt und das nächste Segment angelegt.
8) Nach dem vollständigen Aushärten aller Teile wird die Formschale geöffnet. Die beiden Vorderseitenteile werden fest miteinander verschraubt.




9) Die weiche Silikonform wird wie ein Strumpf von der Vorlage abgezogen und in die Formschale eingelegt.
10) Die Formschale wird geschlossen und fest verschraubt.
11) In mehreren Etappen wird flüssiger Gipsbrei in die Form eingegossen und so an den Wänden der Form verstrichen, dass eine ca. 3 cm dicke Wandung entsteht. Das Innere des Abgusses bleibt hohl, da er andernfalls zu schwer würde.
12) Nach dem Abbinden des Gipses wird die Formschale wieder abgenommen und die Silikonform von dem neu entstandenen Abguss abgezogen. Vorlage und Abguss entsprechen einander exakt.