Materialien

Ergänzende Informationsangebote zu den Objekten und Themen, die im Virtuellen Rundgang behandelt werden. 

Kontext

Unter der Überschrift Kontext liefert VIAMUS vertiefte Hintergrundinformationen über größere bauliche, topographische und kulturgeschichtliche Zusammenhänge, in die sich die im Rundgang behandelten Objekte einfügen. Es ist vorgesehen, diese Abteilung fortlaufend um neue Materialien zu erweitern.

Der Aphaitempel von Ägina

Den Vorstellungen der Zeit gemäß ist der Athlet als perfekte Verkörperung des Siegers in seiner Sportart dargestellt. Die Nacktheit des Sportlers stellt seine Kraft und Körperbeherrschung zur Schau. Sie entspricht in diesem Fall sogar der Realität, denn während Training und Wettkampf waren antike Athleten nackt. Individuelle Züge spielen auch hier keine Rolle. Gerade deshalb eignete sich die Statue später dazu, als nunmehr anonyme Figur eines vorbildlichen Sportlers kopiert und in eine andere Umgebung versetzt zu werden. Denn in römischer Zeit interessierten die besonderen Umstände von Sieg und ursprünglichem Aufstellungsort nicht mehr.
Die Ruine des Aphaia-Tempels
Die Ruine des Aphaia-Tempels

Aphaia ist eine nur in Ägina verehrte weibliche Fruchtbarkeitsgottheit, der Göttin Artemis eng verwandt. Schon in mykenischer Zeit wurden ihr auf einer einsamen, heute bewaldeten Bergkuppe im Norden der Insel Opfergaben dargebracht. Um 570 v. Chr. wurde an derselben Stelle ein steinerner Tempel dorischer Ordnung errichtet. Um 500 v. Chr. ersetzte man diesen durch einen dorischen Peripteros, einen allseits von Säulen umgebenen Von ihm stammen die berühmten, 1811 entdeckten Giebelfiguren, die Ägineten, die sich seit 1828 in der Glyptothek in München befinden.

Rekonstruktion des Tempels nach H. Bankel
Rekonstruktion des Tempels nach H. Bankel
Die „Ägineten“ gehören zu den bedeutendsten Zeugnissen der griechischen Skulptur am Übergang von der archaischen zur klassischen Epoche. Dieser Übergang fiel genau in den Zeitraum, in dem der Skulpturenschmuck des Aphaia-Tempels angefertigt wurde. Die Skulpturen des Westgiebels sind stilistisch altertümlicher als die des Ostgiebels und zeigen noch typische Züge der spätarchaischen Komposition und Körperbildung. Diejenigen des Ostgiebels hingegen sind „moderner“ und weisen bereits wichtige Merkmale der um 490/80 einsetzenden neuen Formensprache auf. Dargestellt waren in den beiden Giebeln die Kämpfe äginetischer Heroen um Troja. Jeweils in der Giebelmitte erscheint die Göttin Athena. Im Ostgiebel ist der Zug des äginetischen Helden Telamon und seines Freundes Herakles gegen Troja wiedergegeben, im Westgiebel der zweite, berühmtere Kampf um Troja, in dem Telamons Sohn Aias eine herausragende Rolle spielte.
Rekonstruktion der Giebel nach D. Ohly. Die im Virtuellen Museum behandelten Figuren sind rot markiert.
Rekonstruktion der Giebel nach D. Ohly. Die im Virtuellen Museum behandelten Figuren sind rot markiert.
Stilistisch unterscheiden sich die beiden Giebel vor allem dadurch, dass die Figuren im Osten stärker zu einer einheitlichen Komposition verflochten und einem übergreifenden Bewegungsrhythmus untergeordnet sind. Die Bewegung der einzelnen Figuren entwickelt sich stärker im dreidimensionalen Raum und nimmt auf die Architektur des rahmenden Giebelfelds mehr Bezug als im Westgiebel. Dort sind die Figuren stärker in die Fläche gebreitet und wirken z. T. wie schwerelos. Am deutlichsten kommt dieser Unterschied im Vergleich der sterbend niedersinkenden und am Boden liegenden Figuren in den Giebelzwickeln zum Ausdruck.

Das Siphnierschatzhaus in Delphi

In den großen panhellenischen Heiligtümern Olympia und Delphi errichteten viele griechische Stadtstaaten eigene Schatzhäuser, in denen die von ihnen gestifteten wertvollen Weihgeschenke aufbewahrt wurden. Viele dieser Schatzhäuser waren üppig mit bildlichem Schmuck verziert, der vom Ruhm und vom Reichtum der jeweiligen Polis Zeugnis ablegen sollte. Im Apollonheiligtum von Delphi wurden Reste von insgesamt 32 Schatzhäusern gefunden.
Rekonstruktion des Siphnierschatzhauses nach Hansen
Rekonstruktion des Siphnierschatzhauses nach Hansen

Eines der prächtigsten unter ihnen ließen um 530 v. Chr. die Bürger der Kykladeninsel Siphnos errichten. Es hatte die Form eines ionischen Antentempels, wobei die beiden Säulen zwischen den Anten (vorgezogenen Mauerzungen) durch Mädchenfiguren in der Art spätarchaischer Korenstatuen ersetzt waren. Die Giebel waren mit figürlichen Hochreliefs dekoriert. Der aus parischem Marmor errichtete Bau war 8,37 m lang, 5,95 m breit und 6,74 m hoch. Besonders gut erhalten ist der reliefgeschmückte Fries, der die Außenseite des Baus unterhalb des Daches rings umzog. 

Er zeigt in vielfigurigen Darstellungen Szenen des griechischen Mythos: im Osten den Kampf um Troja, begleitet von einem lebhaften Dialog zwischen den im Olymp thronenden Göttern, im Norden die Schlacht zwischen Göttern und Giganten, im Westen das Urteil des Paris und im Süden eine nicht sicher gedeutete Szene mit Viergespannen. Für die Geschichte der spätarchaischen Plastik sind der Fries und der übrige Skulpturenschmuck des Siphnierschatzhauses nicht nur wegen ihrer hohen bildhauerischen Qualität, sondern auch wegen ihrer Datierung sehr wichtig. Das Schatzhaus kann nämlich schwerlich nach 525 v. Chr. errichtet worden sein, als die dank ihrer Gold- und Silberminen äußerst wohlhabende Insel Siphnos durch Flüchtlinge aus Samos gebrandschatzt wurde – ein Schlag, von dem sie sich nie wieder völlig erholte. Wie alle griechischen Marmorbauten und -skulpturen war auch das Schatzhaus der Siphnier in leuchtenden Farben bemalt.

Farbige Rekonstruktion des Nordfrieses mit Namensbeischriften nach Brinkmann
Farbige Rekonstruktion des Nordfrieses mit Namensbeischriften nach Brinkmann
Die Figuren der Friese waren zudem durch Namensbeischriften erklärt, wie neuerdings durch Untersuchung mit Streiflicht und ultraviolettem Licht ermittelt werden konnte.

Der Perserschutt

480 v. Chr. marschierten die Perser in Athen ein, nachdem die gesamte Stadt gerade noch rechtzeitig unter Leitung des Themistoles evakuiert und ein Großteil der Bevölkerung auf die nahe gelegene Insel Salamis in Sicherheit gebracht worden war. Die Eroberer verwüsteten die menschenleere Stadt vollkommen. Auch die Heiligtümer wurden dabei nicht verschont.
Ansicht der Akropolis
Ansicht der Akropolis

Die z. T. gerade im Bau befindlichen Tempel auf der Akropolis wurden zerstört, die zahllosen um die Tempel herum aufgestellten, der Stadtgöttin Athena geweihten Statuen wurden umgestoßen und zerschlagen. Bei den Aufräumungsarbeiten nach dem Abzug der Perser versuchten die Athener nicht, die geschändeten Weihgeschenke zu reparieren, sondern vergruben sie als unantastbaren Besitz der Göttin in den mächtigen Aufschüttungsschichten, mittels derer das Niveau der neu gestalteten Akropolis nun erheblich angehoben wurde. Dort wurden sie bei archäologischen Tiefgrabungen 1885-1890 wiedergefunden.

Die Akropolis nach dem Persersturm. Zeichnung von M. Korres
Die Akropolis nach dem Persersturm. Zeichnung von M. Korres

Neben zahllosen Weihgeschenken, insbesondere Statuen junger Mädchen (Koren) enthielt der ‚Perserschutt‘ u. a. die Reste mehrerer Tempelgiebel aus hocharchaischer Zeit. Viele Skulpturen zeigten noch außerordentlich gut erhaltene Reste ihrer ursprünglichen Bemalung. Zum Teil ist sie noch heute sichtbar. Sie ist ein Hinweis darauf, dass manche Werke bei ihrer Zerstörung durch die Perser erst wenige Jahrzehnte alt waren und noch nicht lange unter Licht- und Wettereinfluss gelitten hatten.

Ausgrabungen im ‚Perserschutt‘, Photographie um 1885
Ausgrabungen im ‚Perserschutt‘, Photographie um 1885
Das Zerstörungsdatum 480 v. Chr. liefert einen wichtigen chronologischen Fixpunkt für die Funde aus dem ‚Perserschutt‘. Allerdings wurden die Ausgrabungen so hastig durchgeführt und so unzureichend dokumentiert, dass heute bei manchen sehr berühmten Objekten (wie z. B. dem ‚Kritiosknaben‘) die Zugehörigkeit zu den Zerstörungsschichten der Perserkriegszeit nicht mehr eindeutig geklärt werden kann.

Das archaische Lächeln

NZ Reiter Rampin
NZ Reiter Rampin

Bei vielen Skulpturen der archaischen Zeit sind die Mundwinkel so deutlich nach oben gezogen, dass der Eindruck des Lächelns entsteht. Beispiele wie der sterbende Krieger aus Ägina zeigen, dass dieses ‚archaische Lächeln‘ situationsunabhängig gesehen werden muss. Es ist nicht psychischer Ausdruck einer heiteren Stimmung. Auch die Grabstatuen, die dieses Lächeln zeigen, legen den Schluss nahe, dass vielmehr abstraktere Inhalte ausgedrückt werden sollen. So wurde vorgeschlagen, die Mimik solle die dargestellte Person ganz allgemein als lebendig charakterisieren. Andere deuten sie als Zeichen aristokratischer charis (Anmut, Charme).

Der grundlegende Stilwandel in der Bildkunst des frühen 5. Jhs. v. Chr. geht einher mit einer auffälligen Veränderung des mimischen Ausdrucks der dargestellten Personen. Das bis dahin charakteristische ‚Lächeln‘ verschwindet aus den Gesichtern und weicht einem auffällig ernsten Ausdruck. Das betrifft nicht nur die Stellung der Lippen, sondern auch den Blick: War er in der Archaik ‚freudig‘ geradeaus gewandt, so ist er nun häufig ‚gedankenschwer‘ zum Boden gesenkt.

NZ Blonder Kopf
NZ Blonder Kopf
Man hat diese Unterschiede als Hinweis auf einen grundlegenden Wandel des Lebensgefühls, bedingt durch die schicksalhafte Erfahrung der Perserkriege, gedeutet. Eine andere Erklärung stellt sozialgeschichtliche Veränderungen in den Vordergrund: Das aristokratische Verhaltensideal des anmutigen Lächelns sei im Zuge der Demokratisierung durch eine neue Haltung würdevollen Ernstes abgelöst worden. Doch sind Zweifel an beiden Erklärungen angebracht.
Grabrelief eines Mädchens, um 460 v. Chr., Antikensammlung Berlin. Nicht nur die Peplostracht, sondern auch der gesenkte Blick und der ernste Gesichtsausdruck sind typische Neuerungen der frühklassischen Zeit.
Grabrelief eines Mädchens, um 460 v. Chr., Antikensammlung Berlin. Nicht nur die Peplostracht, sondern auch der gesenkte Blick und der ernste Gesichtsausdruck sind typische Neuerungen der frühklassischen Zeit.

Der Kerameikos von Athen

Im Nordwesten des antiken Athen, am Ufer des Flüsschens Eridanos, lag das Töpferviertel Kerameikos (von griech. kéramos = Ton). Außerhalb der Stadtmauer, vor dem großen Doppeltor (Dipylon) erstreckte sich hier der wichtigste Friedhof der Stadt. Dieser wurde in den vergangenen hundert Jahren ausgegraben und als Archäologischer Park hergerichtet.

Klassische Gräberstraße im Kerameikos
Klassische Gräberstraße im Kerameikos
Plan des Kerameikos in archaischer Zeit. Die großen Grabhügel sind deutlich sichtbar. [Bildquelle:] U. Knigge, Der Kerameikos von Athen (1988) Abb. 17
Plan des Kerameikos in archaischer Zeit. Die großen Grabhügel sind deutlich sichtbar. [Bildquelle:] U. Knigge, Der Kerameikos von Athen (1988) Abb. 17

Schon um 1200 v. Chr. in der sogenannten Submykenischen Epoche, entstand hier ein ausgedehnter Bestattungsplatz. Für die Geometrische Zeit (900-700 v. Chr.) ist der Kerameikos einer der wichtigsten Fundorte überhaupt. Führende Adelsfamilien errichteten damals Grabhügel, die von riesigen (bis zu 150 cm hohen) Tonvasen mit feinmaschigem ‚geometrischen‘ Dekor bekrönt wurden. Von der sozialen Aufwertung breiterer Bevölkerungskreise zeugt eine große Zahl durchschnittlich ausgestatteter Gräber des späten 8. Jhs. v. Chr. Vom Wettbewerb zwischen den aristokratischen Familien zeugen mächtige runde Grabhügel (Tumuli) aus archaischer Zeit. Auf und neben ihnen standen u. a. marmorne Grabstatuen wie der 2002 entdeckte Dipylonkouros.

Im 5. Jh. werden die Tumuli abgelöst durch ein dichtes Netz kleinerer Familiengrabbezirke entlang der beiden nordwestlich aus der Stadt herausführenden Straßen, der Heiligen Straße nach Eleusis und dem sog. Dromos zum Hain des Heros Akademos, wo Platon im 4. Jh. seine berühmte Akademie einrichtete. Am Dromos lag auch das offizielle Staatsgrab (Demosion Sema) für die athenischen Kriegsgefallenen. Die Grabbezirke waren durch hohe Terrassenmauern zur Straße hin abgegrenzt, über denen sich Marmorgrabmäler unterschiedlichen Typs erhoben. Neben steinernen Grabvasen waren figürlich verzierte Reliefstelen besonders beliebt, auf denen verschiedene Familienmitglieder in einträchtigem Miteinander gezeigt sind. Diese Reliefs haben sich zu Tausenden erhalten. Die Reihe endet abrupt im späten 4. Jh. v. Chr., als der makedonische Statthalter Demetrios von Phaleron ein ‚Gräberluxusgesetz‘ erließ, das nur noch sehr schlichte Grabmalformen gestattete.
Der im Frühjahr 2002 im Kerameikos entdeckte ‚Kuros vom Heiligen Tor‘ [Bildquelle:] W.-D. Niemeier, Der Kuros vom Heiligen Tor (2002) Abb. 51
Der im Frühjahr 2002 im Kerameikos entdeckte ‚Kuros vom Heiligen Tor‘ [Bildquelle:] W.-D. Niemeier, Der Kuros vom Heiligen Tor (2002) Abb. 51

Ausstellung

Texte und Bilder zu Sonderausstellungen in der Sammlung der Gipsabgüsse.

Vom Gipsabguss zum 'Virtuellen Museum'. Dreidimensionale Reproduktionstechniken in der Archäologie:

Im Rahmenprogramm der Expo 2000 beschäftigte sich diese Ausstellung mit dem antiken Kopierwesen, der Technik des Gipsabgusses und modernen Verfahren zur ‚virtuellen‘ Reproduktion plastischer Objekte. [Elektronische Präsentation in Vorbereitung]

Neue Zeiten. Epochenwenden in der Antike:

Die materialreiche Ausstellung wurde anlässlich des Jahrtausendwechsels im Winter 2000/2001 veranstaltet: Allgemeine Fragen nach den Merkmalen von Epochenwenden und nach den Kriterien geschichtlicher Periodisierung werden am konkreten Beispiel der griechisch-römischen Kultur des Altertums durchgespielt und zur Diskussion gestellt. [Elektronische Präsentation in Vorbereitung]

Barbarentod und Venuskult

Dr. Winfried Hellmann (1932-1999)
Abb. 01: Dr. Winfried Hellmann (1932-1999)

Griechische Skulpturen aus den Gärten Roms

Dank einer großzügigen Spende des Göttinger Verlagslektors Dr. Winfried Hellmann (1932-1999) (Abb. 01) konnte die Sammlung der Gipsabgüsse des Archäologischen Instituts um zwei wichtige Neuerwerbungen erweitert werden: Abgüsse der hochberühmten Galliergruppe Ludovisi (Abb. 02) und der Muse vom Esquilin (Abb. 03) .

Sie beleuchten eine der interessantesten und zugleich besonders schwierigen Epochen in der Geschichte der griechischen Plastik, nämlich das 3. Jahrhundert v. Chr. – die Frühphase des Hellenismus. Nur sehr wenige Originalwerke sind aus dieser Zeit bekannt.

Auch die beiden Neuerwerbungen sind nur als römische Kopien erhalten. Aufgrund ihrer hohen Qualität vermitteln sie gleichwohl eine gute Vorstellung von ihren hellenistischen Vorbildern. Darüber hinaus sind die beiden Statuen auch durch ihren Fundort miteinander verbunden. Sie stammen nämlich aus den weitläufigen Parkanlagen, den horti, die sich wie ein dichter Kranz um das Stadtzentrum des antiken Rom legten.

Das Themenmodul folgt dieser doppelten Spur. Einerseits analysiert es die formale Eigenart der beiden Statuen vor dem Hintergrund der Stilgeschichte des 3. Jahrhunderts v. Chr. und erläutert ihre inhaltliche Bedeutung unter den Stichworten Barbarentod und Venuskult.

Andererseits versucht es, die faszinierende Welt der römischen Luxusparks, in der die Marmorskulpturen aufgestellt waren, wieder lebendig werden zu lassen. Dazu werden die beiden Neuerwerbungen in einen Kontext weiterer Abgüsse der Sammlung ‚aus den Gärten Roms‘ gruppiert, die das breite Spektrum der Verwendungsmöglichkeiten originaler und kopierter griechischer Plastik in den römischen horti verdeutlichen können.

Abb. 02: Galliergruppe Ludovisi
Abb. 03: Statue einer Opferdienerin (?)

Video

Videosequenzen zu wichtigen Themengebieten des Virtuellen AntikenMuseums. Erstellt in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für interdiszilpinäre Medienwissenschaften und der Zentralen Einheit Medien der Universität Göttingen.

Wie entsteht ein Gipsabguss?

Abgussformen wurden früher aus Gips hergestellt. Heute wird Silikonkautschuk als Abformmaterial bevorzugt, da er sehr biegsam ist. Es genügen nur wenige Negativformen, um auch kompliziert unterschnittene plastische Objekte abzugießen.Als Demonstrationsobjekt der folgenden Videosequenz dient ein Exponat aus der Göttinger Sammlung der Gipsabgüsse, der sogenannte Dipylon-Kopf aus der Zeit um 600 v. Chr. Von diesem Abguss wird eine Negativform hergestellt, um daraus weitere Abgüsse anfertigen zu können. Wegen seiner kompakten plastischen Form genügt eine einzige Silikonform, die wie ein Strumpf von dem Kopf abgezogen werden kann.

1) Die Vorlage wird mit einem Trennmittel eingestrichen, damit die Negativform sich später leichter lösen lässt.
2) In mehreren Schichten wird flüssiger Silikonkautschuk aufgestrichen.
3) Um die Wandungsstärke besser beurteilen zu können, wird eine Silikonschicht grün eingefärbt.
4) Stege zur Fixierung der äußeren Formschale werden angebracht. Die oberste Silikonschicht wird mit Flüssigseife gut geglättet.

5) Zur Stabilisierung der flexiblen Silikonschicht wird darüber eine feste Formschale aus Epoxidharz aufgebaut. Sie besteht aus drei Teilen. Zur Abgrenzung der drei Segmente gegeneinander werden Hilfsstege aus Holz und Ton angelegt.
6) Das Epoxidharz wird in cremeartigem Zustand als dünne Schicht mit dem Pinsel auf die Silikonform aufgestrichen.
7) Jeweils nach dem Aushärten eines Segments wird der Hilfssteg entfernt und das nächste Segment angelegt.
8) Nach dem vollständigen Aushärten aller Teile wird die Formschale geöffnet. Die beiden Vorderseitenteile werden fest miteinander verschraubt.

9) Die weiche Silikonform wird wie ein Strumpf von der Vorlage abgezogen und in die Formschale eingelegt.
10) Die Formschale wird geschlossen und fest verschraubt.
11) In mehreren Etappen wird flüssiger Gipsbrei in die Form eingegossen und so an den Wänden der Form verstrichen, dass eine ca. 3 cm dicke Wandung entsteht. Das Innere des Abgusses bleibt hohl, da er andernfalls zu schwer würde.
12) Nach dem Abbinden des Gipses wird die Formschale wieder abgenommen und die Silikonform von dem neu entstandenen Abguss abgezogen. Vorlage und Abguss entsprechen einander exakt.

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