In der Schule begegnen uns die meisten Persönlichkeiten der Antike zuerst in Texten: Als Autoren von Dichtungen, philosophischen Schriften und Geschichtsbüchern oder als historische Persönlichkeiten, von denen diese Schriften berichten. Es ist schwierig, nur mit Hilfe von Texten eine Vorstellung von Menschen zu bekommen, die in einer weit zurückliegenden Vergangenheit lebten.
Erhaltene antike Bildnisse erlauben noch einen anderen Blick auf die Antike. Sie zeigen, welches Bild sich die Menschen der Zeit von bedeutenden Persönlichkeiten machten. Nebenbei erfahren wir einiges über das Alltagsleben: Wie waren würdige Gelehrte oder Dichter gekleidet? Wie sahen Bücher aus? Und wie schrieb, las und lernte man in der Antike?
Lehrerinfo
Die Lektion „Weise und Lehrer“ ist für Schüler ab ca. 13 Jahren geeignet. Sie orientiert sich thematisch an den Vorgaben der Lehrpläne für Niedersachsen und Hessen und an den Inhalten der Schulbücher, die in diesen Bundesländern zugelassen sind.
Innerhalb der Lehrpläne ist die Thematik „Griechenland und Rom“ sowohl für die Fächer Geschichte, Griechisch, Latein als auch für Kunst vorgesehen. Schwerpunkte, die der vorliegenden Lektion inhaltlich sehr nahe kommen, sind dabei u.a. „Anfänge der Wissenschaft“, „Kunst und Kultur“ oder „Mythische Gestalten und Erzählungen der Griechen“.
Auch die Lehrbücher greifen den Aspekt „Weise und Lehrer“ im Rahmen des Schwerpunkts „Griechenland“ auf: Um den Schülern die „Grundlagen der europäischen Kultur im antiken Griechenland“ oder „Die Welt der Griechen“ nahe zu bringen, wird u.a. über den „(Schul-) Alltag in Athen“, „Tüchtige Künstler“, „Kluge Dichter“, die „Freunde der Weisheit“ oder allgemein über „Bildung und Kunst in Athen“ berichtet.
Für den Fall der unterrichtsbegleitenden Nutzung des Angebots, finden Sie als Lehrer Vorschläge für Arbeitsaufträge zu den einzelnen Lektionen jeweils unter der Option „Zeitreise“ am Ende eines Kapitels.
Die „Leitthemen“ geben einen groben Überblick über die Inhalte der einzelnen Module und können als Anregung bzw. Leitfaden für das Unterrichtsgespräch dienen.
Der interaktive „Wissenstest“ mit gemischten Fragen nach dem Prinzip Multiple Choice, Freitexteingabe und Manipulation kann zur Lernerfolgskontrolle eingesetzt werden. Hier werden Fragen zur Thematik der jeweiligen Lektion gestellt. Für jede Frage werden Punkte vergeben; die maximal zu erreichende Punktzahl ist jeweils eingeblendet. Zum Abschluss des Tests erhält der Schüler eine Übersicht der beantworteten Fragen und seiner erreichten Punktzahl. Diese Übersicht lässt sich ausdrucken; anhand der erreichten Punktzahl haben Sie als Lehrer die Möglichkeit, die Leistung der Schüler eigenständig zu bewerten bzw. einzustufen.
Leitthemen
- Wie wurde Wissen in der Antike vermittelt?
- Wie zeigt sich die Verehrung bzw. das hohe Ansehen der Gelehrten in der Antike an ihren Porträts?
- Wie haben Bildnisse antiker Gelehrter in römischer Zeit weitergewirkt?
- Wie gestaltete sich der Schulunterricht in der Antike?
- Welche Gemeinsamkeiten weisen Bildnisse antiker Gelehrter, hoher römischer Würdenträger und Christusdarstellungen auf?
Dichter
Wissen wurde in der Antike lange Zeit nur mündlich von einer Generation zur nächsten weitergegeben. In Erzählungen und vor allem Dichtungen, die als Gesang vorgetragen wurden, formte sich ein Bild der Welt: Geschichten von Göttern und Helden einer mythischen Vergangenheit prägten die Vorstellungen von Religion und Geschichte. Sie gaben außerdem Beispiele für richtiges und gottgefälliges oder falsches und frevelhaftes Verhalten von Menschen.
Weil die traditionelle Weisheit in Gedichten übermittelt wurde, verehrte man Dichter als g Sänger. Homer war der erste und wichtigste griechische Dichter. Noch in späteren Zeiten führten Städte voller Stolz ihre Gründung und frühe Geschichte auf die Helden zurück, die in Homers Werken Ilias und Odyssee auftraten. Die Bewährungsproben seiner Helden in Krieg und Frieden gaben zugleich reichen Stoff zum Nachdenken darüber, wie sich Menschen richtig verhalten sollten; sogar die Grundlagen für die späteren Naturwissenschaften sah man in Homers Versen.
Homers Bildnisse entstanden aus der Phantasie von Künstlern, die lange nach ihm lebten. Verschiedene Porträts zeigen ihn als blinden alten Mann. Er scheint seiner inneren Stimme zu lauschen und die Geschehnisse, die er in seiner Dichtung behandelt, in seiner Phantasie zu schauen. Diese besondere Gabe schrieb man in der Antike Blinden zu, deren göttlich inspirierte Visionen von keinen äußeren Eindrücken gestört werden konnten. Die Bildnisse Homers entsprechen dieser Vorstellung vom „blinden Seher“.
In der Antike galt jede Art von geistiger Tätigkeit als göttliche Gabe, die v.a. von den Musen vermittelt wurde. Darum wurden antike Dichter oft zusammen mit Musen dargestellt. Ein Beispiel für diese Art der Darstellung ist das Menander-Relief: Hier wird Menander heroisiert und mit nacktem Oberkörper zusammen mit Muse und Schauspielermaske bei seiner geistigen Arbeit, also beim Dichten einer Komödie dargestellt. Dafür stehen im Bild Theatermaske und Muse, außerdem die Weihgeschenke für die Musen und die Schriftrolle. Die im Relief dargestellte Muse kommt aus einem Tempel, wohl einem „Mouseion“.
Als Bereich der Musen war das Mouseion − das später namengebend für unser Museum wurde − ein Ort wissenschaftlicher und dichterischer Tätigkeit. Diese Musenheiligtümer gehörten zum Musenkult, so dass sich um manch ein Mouseion als Zentrum Schulen bildeten. Dort wurde geforscht und gelehrt; sie sind mit heutigen Universitäten vergleichbar.
Der Kult der Musen konnte mit dem Kult besonders verehrter Dichter verbunden werden. Dies verdeutlicht ein Relief, welches die Apotheose des Dichters Homer wiedergibt − eine Ehrung Homers durch Götter und Personifikationen, die durch Beischriften benannt sind. Homer thront hier im untersten Bildabschnitt; neben ihm kauern u.a. die Personifikationen von Ilias und Odyssee. Ein Opferaltar im Bild weist darauf hin, dass Homer wegen seiner Dichtkunst göttliche Verehrung genoss. Im oberen Bereich des Reliefs erhebt sich eine Berglandschaft, auf deren Spitze Zeus thront; weiter unten steht Apollon mit der Leier. Die beiden Götter sind von Musen umgeben; die Musen werden von ihrer Mutter Mnemosyne, die vor Zeus steht, angeführt.
Du gibst einem antiken Bildhauer den Auftrag, ein Porträt des Dichters Homer herzustellen. Schreibe dem Künstler auf, welche Merkmale das Porträt auf jeden Fall aufweisen muss, damit es sofort als Dichterporträt zu erkennen ist.
Philosophen
Das Bild der Welt, wie es die Dichtung vermittelte, genügte schon früh einigen gelehrten Männern nicht mehr. Sie sahen ihre Umwelt mit anderen Augen, waren neugierig, beobachteten genau und schrieben auf, was sie sahen. Damit verbunden stellten sie Fragen, wie z.B. nach dem Ursprung der Welt. Diese fragenden Männer wurden Philosophen genannt. Das Wort setzt sich zusammen aus den griechischen Wörtern philos = Freund und sophia = Weisheit.
Wichtige Fragen der Philosophie betrafen das Zusammenleben der Menschen: Wie sollte der ideale Staat aussehen? Welche Erziehung war nötig, um nützliche Mitglieder von Gesellschaft und Staat heranzuziehen? Welche ethischen Grundsätze sollten das Handeln der Menschen bestimmen?
Diese Fragen wurden im Athen des 5. Jahrhunderts v. Chr. besonders brisant. In dieser Zeit bot eine Gruppe von Männern, die als „Sophisten“ (= „Lehrer der Weisheit“) bekannt wurden, ihre Dienste für die Ausbildung junger Männer gegen gute Bezahlung an. Ein Versprechen war, durch rhetorische Schulung könne „die schwächere Sache zur stärkeren gemacht werden“. Jede Sache − ob gut oder schlecht − mittels Rhetorik gut vertreten zu können, war sicher eine nützliche Fähigkeit in einer Stadt, in der die meisten Streitfälle in öffentlichen Versammlungen und Gerichtsverhandlungen entschieden wurden. Doch schienen solche Fähigkeiten vielen Athenern verdächtig, weil sie auch missbraucht werden konnten. Hinzu kam, dass die Sophisten auch die Existenz der Götter und die Religion der Athener hinterfragten. Das brachte ihnen den Vorwurf der Gottlosigkeit ein; ihre Tätigkeit stieß in weiten Kreisen auf Widerstand.
Diesen Widerstand bekam auch Sokrates zu spüren, der in derselben Zeit in Athen mit seinen philosophischen Dialogen öffentlich bekannt wurde. Nicht selten brachte Sokrates seine Dialogpartner in Verlegenheit, da er ihre Meinung, alles zu wissen und zu verstehen, spöttisch widerlegte. Er prägte den Spruch: „Ich weiß, dass ich nichts weiß“. Diese Einsicht, gepaart mit Bescheidenheit, sah Sokrates als Voraussetzung dafür an, gut und richtig zu handeln. Sokrates hatte zahlreiche, auch politisch einflussreiche Anhänger. Dennoch entging er nicht dem Verdacht und der Anklage wegen Gottlosigkeit, die zu seinem Todesurteil führte. Lange nach seinem Tod wurde Sokrates rehabilitiert; doch zeigt der Prozess gegen ihn, wie ernst man die möglichen positiven wie negativen Wirkungen philosophischer Lehren nahm.
Sokrates schrieb seine Lehre nicht in Büchern auf. Alles, was wir von ihm wissen, stammt aus Büchern seiner Schüler und Zuhörer. Auch in der weiteren Geschichte der griechischen Philosophie galt die lebendige Lehre mehr als das geschriebene Wort. Platon, ein Schüler des Sokrates, begründete diese Auffassung:
− Eine Schrift kann auf Fragen nicht direkt antworten.
− Eine Schrift kann nicht nach Bedarf reden oder schweigen.
− Eine Schrift kann sich nicht gegen Angriffe helfen.
All das kann nur die lebendige Rede des Wissenden bzw. das philosophische Gespräch.
Im 4. Jahrhundert v. Chr. entwickelten sich die losen philosophischen Gesprächsrunden zu festen Einrichtungen. So gründete z.B. der Philosoph Platon, der ein Schüler des Sokrates war, um 385 v. Chr. die „Akademie“. Sie wurde zu einer der berühmten Philosophenschulen in Athen und blieb bis 529 n. Chr. bestehen. Platon und seine Schule befassten sich vor allem mit der Frage, wie ein gerechter Staat aussehen könnte und wie die Menschen in ihm handeln müssten.
Aus der Akademie ging Platons Schüler Aristoteles hervor. Er gründete nach dem Tod Platons eine eigene Schule, die nach ihrem Versammlungsort (peripatos = Wandelhalle) Peripatetische Schule genannt wurde.
Aristoteles ging u.a. der Frage nach, wie Menschen in einem Staat zusammenleben könnten. Durch genaue Beobachtungen wollte er die Naturerscheinungen erklären und das Wissen seiner Zeit zusammenfassen. Die systematische Beschäftigung mit nahezu allen Bereichen der Naturwissenschaften, Literatur- und Kulturgeschichte sowie mit der Staatslehre machte diese Schule zu einer vielbesuchten Einrichtung.
Als bekannter Philosoph wurde Aristoteles vom makedonischen König Philipp II an seinen Hof beordert, um hier als Lehrer und Erzieher seines Sohnes Alexander tätig zu werden. Diese Verbindung mit dem makedonischen Hof verhalf der Wissenschaft zu hohem Ansehen. Die aus Makedonien stammenden Könige der hellenistischen Nachfolgestaaten des Alexanderreiches, vor allem die Ptolem in Ägypten, wandten sich an Schüler des Aristoteles, um Philosophie und Wissenschaft in ihren Städten zu lehren. So wurde das Museion mit der berühmten Bibliothek von Alexandria im Geiste des Aristoteles eingerichtet.
Wie wäre es mit einem Rollenspiel! Stell dir vor, Sokrates („Ich weiß, dass ich nichts weiß.“) trifft auf einen Sophisten („Ich kann dir durch rhetorische Schulung helfen, dich so darzustellen, als ob du alles wüsstest.“) Überlege gemeinsam mit deinem Banknachbarn, wie ein Dialog zwischen beiden ausgesehen haben könnte. Spielt die Situation in verteilten Rollen nach.
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Literatur
Epikur gründete seine Schule im Jahre 306 v. Chr. in Athen.
Die Epikur sahen im Seelenfrieden das höchste Ideal. Der entspannte und fast versunken wirkende Gesichtsausdruck Epikurs und seiner Anhänger in ihren überlieferten Bildnissen ist ein äußeres Zeichen für diese Geisteshaltung.
Wir kennen die Bildnisstatuen Epikurs, Metrodors und Hermarchs, die als Kopien römischer Zeit überliefert sind. Von Hermarch können wir oben nur seine Büste zeigen, da die Sitzstatue des Philosophen leider nicht in der Göttinger Sammlung vorhanden ist. Eine römische Kopie der Statue gibt es aber im Archäologischen Museum von Florenz. Wahrscheinlich sind alle drei Sitzstatuen nach dem Tode der Dargestellten errichtet worden. Die Bildnisse der Epikuräer ähneln einander sehr stark in Erscheinungsbild und Haltung: Sie sitzen ruhig und gemessen mit sorgfältig in Falten gelegtem Mantel auf ihrem jeweiligen Sitzmöbel. Auf dem Schoß hält jeder der Philosophen eine Schriftrolle.
Diese Philosophenbildnisse erwecken den Eindruck, dass das Denken keine körperliche, aber geistige Anstrengung erforderte; die drei weisen Männer scheinen in ruhige, tiefe Konzentration versunken. Obwohl sich die drei Bildnisse auf den ersten Blick zum Verwechseln ähneln, weisen sie doch auch deutliche Unterschiede auf: So sitzt Epikur auf einem Thron, sein Schüler Metrodor auf einem Lehnstuhl und Hermarch auf einer Steinbank.
Die Wahl der unterschiedlichen Sitzmöbel im Bild soll auf die Rangordnung zwischen Lehrer und Schüler verweisen.
Die Bildform der sitzenden Philosophen begegnet uns bei den Epikuräern zum ersten Mal. Sie prägt die Ikonographie der Bilder von Gelehrten bis heute: Schriftsteller und Wissenschaftler werden immer noch häufig sitzend, schreibend oder mit einem Buch in den Händen porträtiert.
Bei einem Besuch im Gipsabgussmuseum hast du die Bildnisstatue des Philosophen Epikur gesehen. Am nächsten Tag willst du deinen Mitschülern das Aussehen dieser Statue beschreiben. Notiere dir vorab als Gedankenstütze die Merkmale, die für das Philosophenporträt kennzeichnend sind.
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Philosophenspott
Griechische Philosophie wurde in der römischen Kaiserzeit eifrig studiert. Wer es sich leisten konnte, beschäftigte auch einen Vertreter der griechischen Philosophie als Ratgeber und Hauslehrer. Es gehörte zum guten Ton, sich in Haus und Villa mit Darstellungen aus der griechischen Kultur und Geschichte zu umgeben. Dabei waren Bildnisse der antiken Denker besonders häufig. Wer sich mit solchen Kunstwerken umgab, wollte zeigen, dass er zu den Gebildeten und damit zur guten Gesellschaft gehörte. Doch hatten viele Menschen wohl auch den aufrichtigen Wunsch, sich mit Darstellungen ihrer Vorbilder zu umgeben. Skulpturen und Bilder konnten Anstoß zu gebildeten Gesprächen geben, wie sie bei vornehmen Gastmählern gepflegt wurden.
In diese Umgebung gehören zwei Silberbecher aus einem Schatzfund in einer Villa bei Boscoreale, die vom Vesuv 79 n. Chr. verschüttet wurde. Sie zeigen, wie man der Allgegenwart der ernsten Häupter der alten Griechen in den römischen Haushalten auch mit mildem Spott begegnete.
Auf den Silberbechern von Boscoreale sind einige der bekannten griechischen Dichter und Philosophen als Skelette abgebildet. Noch als Skelette setzen die Weisen auf den Bechern ihre Streitgespräche fort. Epikur greift dabei nach dem Kuchen, den ein Schweinchen neben ihm erschnuppert hat. Über dem Kuchen steht der Leitsatz: „Höchstes Ziel ist die Lust“. Ihm gegenüber bringt das Skelett Zenons seine Einwände dagegen vor. Diese Bilder auf den Bechern sollen wohl darauf hinweisen, dass alle Weisheit nicht vor dem Tod schützt und fordern dazu auf, das Leben beizeiten zu genießen. Die Darstellung der alten Dichter und Weisen als Skelette spielt außerdem auf die spöttische Behauptung an, nach der sich griechische Philosophen mit nichts anderem als dem Sterben beschäftigten.
Schulunterricht
Die Grundlagen für die höhere Bildung legte der Schulunterricht der Kinder. Er war allerdings nicht allen zugänglich, sondern ein Vorrecht wohlhabender Leute. Eine gesetzliche Schulpflicht wie heute war in der Antike noch unbekannt. Auch öffentliche Schulen gab es nur selten; Lehrer boten einzeln ihre Dienste gegen einen entsprechenden Lohn an. Viele Eltern konnten ihren Kindern nur die Elementarschule finanzieren, deren Besuch nicht sehr viel kostete.
Weil Schulbildung kostbar war, wurden Schulszenen auch häufig an Grabdenkmälern dargestellt, deren Auftraggeber ihren Reichtum und ihre Bildung öffentlich zur Schau stellen wollten. Einen Einblick in den Schulunterricht römischer Zeit gibt ein Relief mit Schulszene von einem Grabbau aus der Zeit um 200 n. Chr. im Trierer Landesmuseum.
Zwei Schüler und ein Lehrer sitzen im Halbkreis zusammen und sind mit den Buchrollen in ihren Händen beschäftigt. Offenbar geht es hier im Unterricht um Literatur oder Rhetorik. Ein dritter Schüler tritt von rechts hinzu; er trägt einen Stapel hölzerner Schreibtäfelchen, die zusammengebunden und mit einem Tragegriff versehen sind. Auf solchen Täfelchen schrieb man mit einem Griffel auf eine Wachsschicht, die auf der Innenseite angebracht war. Manchmal hatten sie kostbare Deckel, wie im Falle der Elfenbeindiptychen (=Doppeltafeln aus Elfenbein) im nächsten Kapitel zu sehen.
Der Unterricht fand oft unter einer porticus (=Säulengang), also an einem öffentlichen Platz, vor den Augen der Passanten statt. Vielleicht spielt die Szene auf dem Trierer Relief auch in einer solchen Umgebung. Der Lehrer unterscheidet sich hier von den Schülern durch seinen Bart, der ihn als Philosophen kennzeichnet. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist das Sitzmöbel: Alle sitzen recht bequem, doch hat der Sitz des Lehrers noch einen Fußschemel als Zeichen seiner besonderen Würde. Dagegen sitzen die Schüler auf einfachen Sesseln. Die Wahl des Sitzmöbels wurde auch hier benutzt, um Rangunterschiede zu verdeutlichen. Die erhobene rechte Hand des Lehrers deutet wohl daraufhin, dass er gerade eine Frage stellt oder den hinzugekommenen Schüler anspricht.
Die Kinder mussten vom täglichen Lehrstoff vieles auswendig lernen, da der Unterricht meist in mündlicher Form ablief. In der Elementarschule lernten sie Lesen, Schreiben und ein wenig Rechnen, aber auch die Dichtungen Homers und anderer griechischer und lateinischer Autoren sowie das Musizieren. Hier wurden Kinder von 7-12 Jahren gemeinsam unterrichtet. Reiche Eltern leisteten sich manchmal einen Sklaven als Privatlehrer. Um einigermaßen leben zu können, musste der einfache Schulmeister möglichst viele Schüler haben. Oft genug blieb jedoch seine Bezahlung aus. Entsprechend der niedrigen Entlohnung war der Beruf ziemlich schlecht angesehen. Für gute Leistungen bekamen die Schüler eine Belohnung und für schlechte Leistungen Schläge.
Nach der Schule beim magister ludi erfolgte in der nächsthöheren Ausbildungsstufe der Unterricht bei einem anderen Lehrer, dem grammaticus. Bei ihm lernten die Schüler Grammatik vor allem am Beispiel der Werke griechischer Klassiker. Nach der Ausbildung beim grammaticus folgte für einige Schüler dann der Unterricht in Rhetorik an einer der Philosophenschulen. Das Studium der Rhetorik, der „Kunst der (öffentlichen) Rede“, war eine höhere Ausbildung in Literatur und Politik. Diese höchste Bildungsstufe war männlichen Jugendlichen vorbehalten; meist handelte es sich dabei um junge Aristokraten, die in Politik und Staatsverwaltung Karriere machen sollten und wollten.
Für Mädchen war je nach ihrer gesellschaftlichen Stellung die Ausbildung nach der ersten oder zweiten Stufe beendet, es sei denn, die Eltern engagierten noch einen Hauslehrer für den musischen Unterricht.
Christus als Lehrer & Herrscher
Seit dem 3. Jahrhundert n. Chr. trat die christliche Bilderwelt die Nachfolge der antiken Bilderwelt an. Das Bild von Christus als dem „Lehrer der wahren Philosophie“ wurde nach dem Vorbild der herkömmlichen Philosophenbildnisse entworfen. So verstanden auch Menschen, die die neue Religion noch nicht kannten, die Botschaft des Bildes.
Davon zeugt ein christliches Elfenbeindiptychon: Christus und die Apostel, die ihn begleiten, sind wie antike Gelehrte mit griechischem Mantel und Untergewand sowie einer Buchrolle in den Händen dargestellt. Der Bart macht das Christusbild den altvertrauten Philosophenbildnissen noch ähnlicher.
Die Anordnung der Figuren setzt Rangunterschiede ins Bild: Christus thront im Vordergrund; die Apostel stehen weitgehend verdeckt hinter seinen Schultern. Christus als Lehrer gebührt diese Position. Die Buchrolle und die gestikulierend erhobene Hand Christi deuten an, dass er seine Lehre gerade vorträgt; die Apostel lauschen respektvoll.
Diese Christusdarstellung erinnert also einerseits an herkömmliche Bilder weiser Männer. Andererseits dachten antike Betrachter aber wohl auch an Bilder der Staatskunst, denn Herrscher und Beamte wurden ganz ähnlich dargestellt. Das Bildschema des frontal zum Betrachter sitzenden Beamten zeigt ein Elfenbeindiptychon des Vikars Rufius Probianus: Wie Christus auf einem Thron sitzend von seinen Aposteln umgeben ist, so ist auch der hohe römische Beamte von seinen Untergebenen umgeben. Statt mit den Büchern der Weisheit hantieren sie zwar mit den Dokumenten ihres Amtes, doch im Bild sieht beides gleich aus.
Die Anlehnung von Christusdarstellungen an Philosophenbildnisse und Bildnisse hoher Würdenträger des Staates ist wohl so zu verstehen, dass Christus sowohl in der Rolle des Lehrers als auch in der Rolle des Herrschers gesehen werden soll.