Zur Person
Euripides wurde um 480 v. Chr. in Salamis geboren, wo er einen Großteil seiner Jugend auf dem Landgut seines Vaters verlebte. Später lebte und arbeitete er hauptsächlich in Athen.
Neben Aischylos und Sophokles ist er einer der drei großen klassischen Tragödiendichter. In seinen Tragödien entwickelt er hergebrachte Mythen weiter und führt neue Themen in die Mythenerzählungen ein. Wichtig ist ihm das Seelenleben seiner Heroen und Heroinen, von Göttern erregte Leidenschaften und die menschlichen Konflikte. Einige der großen antiken Liebesgeschichten stammen von Euripides. Von seinen 75 Tragödien sind unter anderen erhalten: „Alkestis“, „Medea“, „Troerinnen“, „Iphigenie in Aulis“, „Iphigenie in Tauris“, „Elektra“, „Andromache“, „Orestes“ und „Bacchen“. Euripides starb 406 v. Chr. während eines Aufenthaltes am makedonischen Königshof in Pella.
Während Euripides zu Lebzeiten keine große Anerkennung fand und nur wenige Wettbewerbe gewann, hatte sein Werk später eine große Nachwirkung. Die Form, in der Mythen bis zum Ende der Antike gestaltet wurden, geht häufig auf eine Version des Euripides zurück. Sein Einfluss auf die Kunst und die spätere abendländische Literatur geht noch über die des Aischylos und Sophokles hinaus; z.B. gestaltete Johann Wolfgang von Goethe den Stoff der „Iphigenie in Tauris“ neu. Christoph Martin Wieland übersetzte Werke des Euripides ins Deutsche und schilderte in seiner „Geschichte der Abderiten“ frei nach antiken Quellen humorvoll die überwältigende Wirkung der euripideischen Tragödie „Andromeda“ auf das Publikum.
Zum Bild des Euripides in der antiken Literatur
Beobachtungen zum Porträt
Die erhaltenen Porträts des Euripides können anhand einer Inschrift auf einer Kopie in Neapel identifiziert werden. Euripides trägt einen gepflegten, nicht allzu langen Vollbart und Haare, die in langen Locken auf die Schultern herabfallen. Diese Haartracht war bei älteren Männern im Athen der klassischen Zeit sehr verbreitet. Das Bildnis zeigt Euripides als würdigen Greis. Die spärlichen Haarfransen über der Stirn verdecken das kahle Vorderhaupt; der leicht eingefallene Mund ist ein Hinweis auf Zahnlosigkeit. Doch sind diese Zeichen der Hinfälligkeit des Alters so diskret, dass sie die Erscheinung des Euripides nicht beeinträchtigen. Der Blick der unter weit vorspringenden Brauen liegenden Augen ist nach unten gerichtet; zusammen mit der entspannten Mimik gibt er dem Bildnis einen nachdenklichen Ausdruck, wie er einem Dichter gut ansteht.
Sammlung
E-learning
Literatur
Gisela M. A. Richter: The Portraits Of The Greeks. Abridged Edition. Phaidon Press Limited, Oxford, 1984, S. 121ff.
Der neue Pauly: Enzyklopädie der Antike, Band 4, Metzler, Stuttgart, 1998
Christoph Martin Wieland, Geschichte der Abderiten, Rowohlt, 1987
Johann Wolfgang von Goethe, Iphigenie auf Tauris, Reclam, 2001