Lehrerinfo
Die Lektion „Akteure der späten Republik“ ist für Schüler ab ca. 14 Jahren geeignet. Sie orientiert sich thematisch an den Vorgaben der Lehrpläne für Niedersachsen und Hessen und an den Inhalten der Schulbücher, die in diesen Bundesländern zugelassen sind.
Innerhalb der Lehrpläne ist die Thematik „Griechenland und Rom“ sowohl für die Fächer Geschichte, Griechisch, Latein als auch für Kunst vorgesehen. Schwerpunkte, die der vorliegenden Lektion inhaltlich sehr nahe kommen, sind dabei u.a. „Die Zeit der römischen Republik“ sowie allgemein „Kunst und Kultur im antiken Griechenland und in Rom“.
Auch innerhalb der Lehrbücher finden sich Anknüpfungspunkte an den Aspekt „Akteure der späten Republik“. Um den Schülern „Die Zeit der römischen Republik“ nahe zu bringen, wird hier u.a. über Themen wie „Die römische Gesellschaft“, „Rom − vom Stadtstaat zum Weltreich“, „Römische Herrschaft“, „Die römische Republik in der Krise“, „Reformversuche“ oder „Das Ende der römischen Republik“ berichtet.
Für den Fall der unterrichtsbegleitenden Nutzung des Angebots, finden Sie als Lehrer Vorschläge für Arbeitsaufträge zu den einzelnen Lektionen jeweils unter der Option „Zeitreise“ am Ende eines Kapitels.
Die „Leitthemen“ geben einen groben Überblick über die Inhalte der einzelnen Module und können als Anregung bzw. Leitfaden für das Unterrichtsgespräch dienen.
Der interaktive „Wissenstest“ mit gemischten Fragen nach dem Prinzip Multiple Choice, Freitexteingabe und Manipulation kann zur Lernerfolgskontrolle eingesetzt werden. Hier werden Fragen zur Thematik der jeweiligen Lektion gestellt. Für jede Frage werden Punkte vergeben; die maximal zu erreichende Punktzahl ist jeweils eingeblendet. Zum Abschluss des Tests erhält der Schüler eine Übersicht der beantworteten Fragen und seiner erreichten Punktzahl. Diese Übersicht lässt sich ausdrucken; anhand der erreichten Punktzahl haben Sie als Lehrer die Möglichkeit, die Leistung der Schüler eigenständig zu bewerten bzw. einzustufen.
Leitthemen
- Wodurch sind Bildnisse der späten Republik allgemein gekennzeichnet?
- Welche Besonderheiten weisen Porträts von Feldherren, Politikern und Rednern der späten Republik auf?
- Welche Neuerung ergibt sich für Frauenporträts in der späten Republik
- Welche Veränderung zeigt sich in Porträts wichtiger Persönlichkeiten am Ende der Republik und im Übergang zum Prinzipat?
Einführung: Späte Republik
Die römische Gesellschaft und der römische Staat wurden in der Zeit der Republik von alten Männern beherrscht:
− In der Familie durfte niemand Entscheidungen gegen den Willen des pater familias treffen. Sklaven, Ehefrau und Kinder unterstanden seinem Urteil. Das galt auch für erwachsene Kinder, bis der älteste Sohn nach dem Tod des Vaters dessen Rolle übernahm. Lange durfte ein pater familias sogar Todesurteile gegen Angehörige verhängen.
− Im Staat wurden die Gesetze durch den römischen Senat beschlossen. Hier saßen die Vertreter der mächtigsten römischen Familien. Die Alten hatten in dieser Versammlung zuerst das Rederecht. Sie machten die Vorschläge und die Jungen schlossen sich einem ihrer Vorredner an.
In der Antike wurden nur wenige Menschen älter als 35 Jahre. Doch erst danach erreichte man in Rom Reichtum, hohe Ämter und Macht. Alter stand auch für Weisheit und Erfahrung. So kann man von einer „Republik der Greise“ sprechen.
Es ist darum verständlich, dass in der Zeit der späten Republik (2.−1. Jahrhundert v. Chr.) viele Männer mit ausgeprägten Alterszügen dargestellt wurden. Die Lebenserfahrung, die sich in den Alterszügen von Politikergesichtern ausdrückte, war gewissermaßen Teil ihres politischen Programms. Politiker dieser Zeit waren auch Feldherrn in den Eroberungskriegen, die das römische Reich ständig vergrößerten. Sie ließen sich nicht nur mit Alterszügen darstellen, sondern demonstrierten ihre kriegerische Energie auch durch Bewegung und entschlossenen Gesichtsausdruck. Die Porträtkunst bot eine Auswahl verschiedener Bildformen an. Die Kombination verschiedener Einzelzüge erlaubte Auftraggebern, in ihrer Selbstdarstellung die gewünschten Qualitäten ins Bild zu setzen.
Die Selbstdarstellung durch Porträts spielte in den inneren Auseinandersetzungen der späten römischen Republik keine unwichtige Rolle. Wer seine Statuen an den zentralen Orten Roms aufstellen lassen konnte, hatte die Macht und die Mittel, sein politisches Programm der Öffentlichkeit vorzuführen. Darum wurden bei einer Änderung der Machtverhältnisse immer wieder Statuen gestürzt und neue ersetzt. Wenn die unterlegene Partei wieder die Oberhand gewann, stellte sie den vorherigen Zustand wieder her. Besonders gründlich wurden offenbar die Bildnisse des Marcus Antonius beseitigt: Von diesem bedeutenden Politiker der späten Republik, der zeitweilig Partner der Königin Kleopatra und wichtigster Gegenspieler Octavians war, konnte bis heute kein Rest einer Porträtstatue nachgewiesen werden.
Gegen Ende der Republik lösten sich die festgefügten Strukturen des Staates auf. Dies ist auch an den Porträts abzulesen, in denen als neue Qualität jugendlicher Heldenmut gezeigt wird. Erstmals gab es sogar Bildnisse von Frauen mit individuellen Zügen. Sie begnügten sich nicht mehr damit, nur jung und schön auszusehen. Denn jenseits der traditionellen Ämterlaufbahn begannen die Frauen der Machthaber, eine wichtige politische Rolle zu spielen.
Cato − der senex als Leitbild
Ein Bildnis, das für die „Republik der Greise“ steht, stammt aus der Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr. Es zeigt einen Mann mit starken Alterszügen: Falten, schlaffen Wangen und einem zahnlos eingefallenen Mund.
Doch scheint er nicht müde oder schwächlich. Vielmehr wirkt er mit der heftigen Wendung seines Kopfes, seinem aufmerksamen Blick und seinem zum Sprechen geöffneten Mund sehr energisch. Das Bildnis ist ohne Namen gefunden worden, aber es gibt mehrere Kopien aus der römischen Kaiserzeit. Sie zeigen, dass es sich um einen berühmten Mann handeln muss, der noch in späterer Zeit verehrt wurde. Weil man in römischen Häusern und Bibliotheken mit Vorliebe Porträts von Schriftstellern aufstellte, ist der Benennungsvorschlag als Cato maior am wahrscheinlichsten.
Dieser Politiker, Feldherr und Schriftsteller lebte von 234 bis 149 v. Chr. in Rom. Er war einer der einflussreichsten Staatsmänner seiner Zeit. Aus dem Ritterstand war er zum Senator aufgestiegen, war römischer Konsul (195 v. Chr.) und Censor von Rom (184 v. Chr.). Dieses Amt nutzte er zu einer strengen Musterung der römischen Senatoren und Ritter; er ergriff Maßnahmen gegen den Luxus ihrer Lebensführung, der in seinen Augen übertrieben und verwerflich war. Als neues Mitglied der römischen Führungsschicht, wurde Cato zum entschiedenen Verteidiger römischer Traditionen (mos maiorum). Er vertrat eine strenge und einfache Lebensführung gegen die aus Griechenland kommenden Annehmlichkeiten des Lebens. Als verweichlichend und schädlich galt für Cato auch die griechische Philosophie.
Nach den Schriften Catos stellten ihn sich viele seiner Leser als hageren, asketischen Mann vor − in seinen Schriften preist er Kohl in jeder Form als seine Lieblingsspeise. Roher Kohl in Essig auf nüchternen Magen sollte seiner Ansicht nach sogar als Medizin vor zuviel Weingenuss schützen. Das Porträt zeigt dagegen einen durchaus beleibten Mann. Doch die wenig sorgfältig frisierten Haare und der Verzicht auf jede Verschönerung im Bildnis würden gut zu einem Mann passen, der verfeinerte Lebensformen verachtete. Dabei war Cato ein sehr reicher Mann; doch zu seiner Zeit ließen sich auch die führenden Männer in anderen Städten Italiens fast immer wohlbeleibt darstellen.
Auch der Philosoph Seneca, der über 200 Jahre später in seinen Schriften ebenfalls ein einfaches Leben empfahl, ließ sich noch als schwergewichtiger Aristokrat porträtieren.
Pompejus − "Magnus"
Eine Möglichkeit zur Darstellung eines energischen Heerführers der späten Republik zeigt das Bildnis des Pompejus. Er lebte von 106−48 v. Chr. in Rom. Als Feldherr machte er bedeutende Eroberungen im Osten und war neben Caesar und Crassus einer der Triumvirn des Jahres 60/59 v. Chr.
Das Gesicht seines Porträts scheint auf den ersten Blick ruhig, sein Mund scheint aus einigen Blickwinkeln sogar zu lächeln. Die Augen mit herabhängenden Lidern wirken beinahe schläfrig. Andererseits hat das Porträt eine hochgezogene und in Falten gelegte Stirn, ein Ausdruck innerer Bewegung. Über der Stirn trägt Pompejus einen hochgeworfenen Haarschopf, der diesen Eindruck noch verstärkt.
Die aufsteigenden Stirnhaare (anastolé) sowie die in Falten gelegte Stirn sind von Bildnissen Alexanders d. Großen (356−323 v. Chr.) entlehnt. Dies zeigt ein Vergleich mit dem Bildnis des Makedonenkönigs rechts. Auch die Augenpartie beider Bildnisse lässt sich vergleichen. Antike Quellen berichten, dass Pompejus sich den Vergleich mit Alexander d. Großen gerne gefallen ließ. Ein Beleg dafür ist wohl auch, dass er sich den Beinamen „Magnus“ = „der Große“ zulegte. Angeblich war Pompejus nicht nur in seinen Leistungen, sondern auch im Aussehen Alexander ähnlich. Diese Nachrichten zur Person des Pompejus spiegeln sich in seinen Porträts wider. Die Ähnlichkeit zu Alexander konnten die Zeitgenossen des Pompejus nicht im direkten Vergleich zwischen den beiden Männern beobachten, denn Alexander war schon lange tot. Nur seine Porträts gab es noch. Ob also die Ähnlichkeit mit Alexander am lebenden Menschen Pompejus beobachtet wurde, oder ob solche Äußerungen in antiken Quellen erst eine Reaktion auf seine entsprechend stilisierten Porträts waren, bleibt eine offene Frage.
Das Porträt des Pompejus ruft einen zwiespältigen Eindruck hervor. Das Gesicht wirkt zunächst wenig heldenhaft mit kleinen Augen, schmalen Lippen und kurzer Nase. Durch Haare und Mimik kommen Bewegung und Entschlossenheit hinzu. Vielleicht ist diese Mischung bewusst gewählt: Pompejus wollte sich als energischer, aber doch maßvoller Staatsmann präsentieren.
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Crassus − der reichste Mann Roms
Ein weiteres Beispiel für die Darstellung eines Politikers der späten Republik ist das Porträt des Marcus Licinius Crassus. Der Politiker lebte von 115 − 53 v. Chr. in Rom. Sein außerordentlich großes Vermögen brachte ihm auch den Beinamen dives („der Reiche“) ein. In den Jahren 70 und 55 v. Chr. hatte er das Amt des römischen Konsuls inne. Neben Caesar und Pompejus gehörte er zu den Triumvirn des Jahres 60/59 v. Chr. Das Bildnis des Crassus oben zeigt ihn ungeschönt mit Alterszügen, kurz geschnittenem Haar und ernstem Gesichtsausdruck. Seine Stirn ist in Falten gelegt und auch um Augen und Mund sind leichte Fältchen zu erkennen; seine Wangen wirken schlaff. Die zusammengezogenen Brauen und die Kopfwendung scheinen Energie und Tatkraft des Dargestellten vermitteln zu wollen.
Mit Blick auf das Porträt des Crassus waren für die Selbstdarstellung von Politikern der späten römischen Republik wohl zwei Dinge kennzeichnend: sichtbare Alterszüge kombiniert mit einer gedämpften, aber doch spürbaren Heldenpose in Gesichtsausdruck und Bewegung.
Caesar − nüchterner "Antiheld"?
Caesar war als erfolgreicher Politiker und Feldherr der stärkste Rivale des Pompejus und des Crassus. Seine Porträts setzen denen seiner Konkurrenten einen ganz eigenständigen Entwurf entgegen.
Caesar lebte von 100−44 v. Chr. in Rom, war einer der führenden Männer der Senatspartei der Popularen und gehörte neben Pompejus und Crassus zu den Triumvirn von 60/59 v. Chr. Nach seinen Erfolgen im Krieg gegen die Gallier (58−51 v. Chr.) und später auch im Bürgerkrieg gegen seinen einstigen Bundesgenossen Pompejus (49−45 v. Chr.), wurde er 45 v. Chr. faktisch zum Alleinherrscher in Rom.
Das Porträt Caesars aus Tusculum in Turin zeigt ihn als älteren Mann mit Alters- und Mimikfalten. Seine Wangen sind von Furchen durchzogen. Um Mund und Nase sind deutliche Falten zu sehen; die Grübchen an den Mundwinkeln sind ausgeprägt. Seine Stirn ist von waagerecht verlaufenden Falten durchzogen. Über der Nasenwurzel sind zudem zwei senkrechte Falten auszumachen, die für einen angespannten und konzentrierten Blick sorgen. Der Haaransatz weicht über den Schläfen weit zurück. Wohl um die vorhandene Stirnglatze zu kaschieren, sind die Haare auf dem Vorderhaupt zu einer Spitze nach vorn gekämmt.
Das Bildnis Caesars ist im Ausdruck sehr zurückhaltend: An seinem Porträt findet sich keine Angleichung an die Heldenbilder Alexanders d. Großen. Es kommt ohne die Heldenpose aus, die wir von Porträts des Pompejus kennen. Die Bewegung der Augen- und Mundpartie ist im Bildnis Caesars so zurückhaltend, dass sie nur bei entsprechender Ausleuchtung sichtbar wird. Sein Porträt hat auch keine extremen Alterszüge, wie sie am Bildnis eines älteren Mannes aus der Zeit der späten Republik rechts daneben zu sehen sind: Hier ist das Gesicht von Falten zerfurcht; es wirkt alt, ausgemergelt und eingefallen. Dagegen sind die Alterszüge im Bildnis Caesars sehr stark abgeschwächt. Vermutlich wollte Caesar sich durch die eher nüchterne Stilisierung seines öffentlichen Erscheinungsbildes bewusst von den Bildnissen seiner Zeitgenossen und Konkurrenten absetzen. Er nahm daher Abstand von der Angleichung seines Porträts an die Bildnisse hellenistischer Herrscher und von ihrer ins Bild gesetzten Heldenpose.
Du hast in diesem Kapitel gelesen, wie sich das Caesarporträt von den Bildnissen seiner Konkurrenten und Zeitgenossen unterscheidet! Stelle die Unterschiede zum Porträt des Crassus heraus und finde Argumente für die eigenwillige Darstellungsweise Caesars.
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Kleopatra VII & die Entstehung individueller Bildnisse für Frauen
In der Darstellung von Frauen gab es in der späten Republik einen deutlichen Wandel: Während Frauen zuvor immer jung und schön dargestellt worden waren, fanden sich nun erstmals Frauenporträts mit individuellen Merkmalen.
Hierfür stehen die Bildnisse von Kleopatra und Livia aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. Sie gehörten zu den ersten Frauen, die sich selbstbewusst mit ihrem Porträt der Öffentlichkeit zeigten. Kleopatra war Königin von Ägypten; Caesar war zeitweilig ihr politischer Verbündeter und Vater ihres Sohnes. Livia war die Frau des Octavian, der später unter dem Namen Augustus erster römischer Kaiser wurde. Beide waren mächtige Frauen, die in der Öffentlichkeit standen.
Das Porträt der Kleopatra zeigt sie jugendlich schön. Bei genauer Betrachtung finden sich jedoch auch einige individuelle Züge, die nicht zum gängigen Bild einer schönen Frau passen: Sie hat eine kräftige Adlernase statt eines kurzen geraden Näschens. Ihr Gesicht ist nicht gleichmäßig oval, sondern läuft auf ein spitzes Kinn zu. Um den Kopf trägt sie eine breite Binde − das Erkennungsmerkmal einer Königin. Dazu leistet sie sich eine Modefrisur: Ihr Haar ist durch zahlreiche Scheitel in Bahnen getrennt und zu Rippen eingedreht. Die Rippen sind auf dem Hinterkopf zu einem Knoten zusammengefasst. Im Ausdruck ist das Bildnis der Kleopatra verhältnismäßig zurückhaltend: Sie trägt Bescheidenheit zur Schau und verzieht keine Miene, sondern blickt ruhig und gelassen geradeaus. Damit nimmt sie wohl Rücksicht auf die Verhaltensregeln, die von ihr als Frau in ihrer Zeit erwartet wurden.
Das Porträt der Livia wirkt noch zurückhaltender als das der Kleopatra: Ihr Gesicht lässt keinerlei Anspannung erkennen; sie blickt ruhig und hält den Kopf gerade. Ihr ovales Gesicht entspricht weitgehend dem Ideal einer schönen Frau. Die Nase mit ihrem Höcker und der individuell geformte Mund geben ihm jedoch einen eigenen Charakter. Livia trägt eine der aufwendigen Modefrisuren ihrer Zeit: Ihr Haar ist über der Stirn zu einer Schlinge geformt und zu einem Zopf geflochten, der in einem Nackenknoten abschließt. Die Haarsträhnen an den Seiten sind eingedreht und in Wellen gelegt. Auf reichen Haarschmuck aus kostbaren Materialien, der normalerweise zu solchen Frisuren gehörte, wird hier verzichtet. Wie schon bei Kleopatra versucht man, den Anschein von Bescheidenheit zu wahren.
Für Frauen war es auch in dieser Zeit noch wichtig, vor allem schön zu sein. Darum wäre es geradezu beleidigend gewesen, vornehme Damen wie Livia und Kleopatra als alternde Frauen darzustellen. Man fand daher andere Möglichkeiten, ihre individuellen Merkmale ins Bild zu setzen, ohne dabei ihrer Schönheit einen Abbruch zu tun. In der späten Republik erregten die individuellen Bildnisse von mächtigen Frauen großes Aufsehen, weil sie neu und ungewohnt waren. Sie brachen mit allen bisher üblichen Traditionen und wurden nicht selten als skandalös eingeschätzt. Individuelle Merkmale wurden daher bei Porträts dieser Frauen möglichst zurückhaltend ins Bild gesetzt, um Bescheidenheit zum Ausdruck zu bringen und Anfeindungen von konservativen Zeitgenossen entgegenzuwirken.
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Cicero − Redner und Politiker
Von der Darstellung eines Politikers und Redners in der späten Republik zeugen die Porträts des Cicero. Er lebte von 106 bis 43 v. Chr. in Rom. Nach anfänglicher Tätigkeit als Anwalt fand er bald Zugang zu den höchsten Staatsämtern, bis zu dem Amt des Konsuls (63 v. Chr.). Cicero war ein Gegner der Alleinherrschaft Caesars. Seine Bildnisse waren noch in der römischen Kaiserzeit verbreitet, weil er als Schriftsteller dauerhaft berühmt war. Sein Porträt oben zeigt ihn als fülligen älteren Mann mit Altersfalten und Stirnglatze. Sein Kopf ist zur linken Seite gedreht. Diese energische Bewegung findet sich auch in seinem Gesichtsausdruck wieder: Stirn und Brauen sind zusammengezogen und lassen den Blick Ciceros konzentriert erscheinen. Seine Lippen sind leicht geöffnet, was dem aktiven Politiker und Redner angemessen scheint. Die Gesichtszüge Ciceros sind ungeschönt und wirken schlaff und faltig. Auf eine Darstellung krasser Alterszüge wurde jedoch verzichtet. Eher gemäßigt wirken auch Gesichtsausdruck und Bewegung. Vermutlich wollte sich Cicero durch die etwas zurückhaltendere Darstellung seines Erscheinungsbildes von Bildnissen seiner Zeitgenossen absetzen.
Octavian − der jugendliche Held
Eine Ausnahme in der üblichen Darstellungsweise mächtiger Männer der späten Republik stellen die Bildnisse des Octavian dar. Der spätere Kaiser Augustus lebte von 63 v. bis 14 n. Chr. in Rom. Er war gerade neunzehn Jahre alt, als er nach der Ermordung seines Adoptivvaters Caesar 44 v. Chr. einer der wichtigsten Politiker Roms wurde. Sein Porträt aus Alcudia oben zeigt ihn mit der über den Kopf gezogenen Toga, was sein Bildnis in die altrömische Tradition stellt. Sein Kopf ist jedoch in einer Art und Weise zurückgeworfen und gedreht, die an die Heldenpose hellenistischer Herrscherbildnisse erinnert. Dazu passen auch seine zerzausten Stirnhaare. Sein langer Hals ist schon von Caesarporträts bekannt. Die Gesichtszüge Octavians wirken hager, seine Wangen leicht eingefallen. Diese Darstellungsweise könnte mit der Absicht gewählt sein, die Bildnisse des jungen Octavian reifer erscheinen zu lassen.
Von diesem Bild des jugendlichen Helden konnte und wollte er wohl später nicht mehr abrücken. Im Porträt altert er daher nicht, vielmehr werden seine Züge in eine zeitlos jugendliche Form überführt. Nach der Erfahrung, die die Römer mit seinen Vorgängern Caesar, Pompejus und Crassus gemacht hatten, stellte sich im Gegensatz dazu wohl die Jugendlichkeit und Energie des Octavian als bessere Alternative dar. Dass diese Darstellung als ewig jugendlicher Held Programm war, zeigt ein Vergleich des Augustusporträts mit dem Bildnis des Agrippa im nächsten Kapitel.
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Agrippa − der General
Eine weitere Möglichkeit zur Selbstdarstellung zeigt das Porträt des Agrippa. Er lebte von 63 bis 12 v. Chr. in Rom. Seit frühester Jugend war er ein enger Freund und Vertrauter des späteren Kaisers Augustus; er trug als General in dessen Kriegen viel zum Erfolg seines Freundes bei. Sein Porträt oben zeigt ihn als jungen Mann mit breitem und fleischigem Gesicht. Die Gesichtszüge sind ungeschönt; der Gesichtsausdruck wirkt ernst und energisch angespannt. Agrippas Frisur ist kunstlos: Er trägt einen einfachen Kurzhaarschnitt, der an die üblichen spätrepublikanischen Bildnisse erinnert. Sein Porträt ist jedoch nicht an die Darstellungen hellenistischer Machthaber und an deren ausgeprägte Heldenpose in Gesichtsausdruck und Haltung angeglichen. Obwohl er ein Altersgenosse Octavians war, wird Agrippa in seinen Bildnissen ungeschönt als Mann in reifen Jahren dargestellt. Die späteren Bildnisse Octavians (als Augustus) haben dagegen eine dauerhaft jugendliche Form.
Am Ende der Republik und zu Beginn des Prinzipats standen hellenistische und republikanische Traditionen sowie der neue jugendliche Bildnistypus des Augustus nebeneinander.
Betrachte die Porträts von Agrippa und Octavian/Augustus. Stelle die Unterschiede beider Porträts in einer Tabelle „Agrippa vs. Octavian“ gegenüber. Erläutere kurz, wie sich die unterschiedliche Darstellungsweise der beiden Altersgenossen erklären lässt.