ARCHÄOLOGISCHES INSTITUT GÖTTINGEN

Augustus, seine Zeit und Dynastie

Die Regierungszeit des Augustus steht am Beginn der römischen Kaiserzeit. Viele Institutionen und Regelungen, die Augustus einführte, setzten Maßstäbe für die kommenden Jahrhunderte. Das gilt auch für die Selbstdarstellung des Kaisers, seiner Familie und seiner Politik in der bildenden Kunst. Diese Bilder waren weit verbreitet und prägten später noch lange die Erwartungen, wie Kunst im Auftrag von Staat und Kaiser zu sein hatte. 

Wie sah diese Kunst aus? Lassen sich Gründe für ihren dauerhaften Erfolg finden? Und welche Verbindungslinien sind bis heute zu verfolgen?

Die Lektion „Augustus, seine Zeit und Dynastie“ ist für Schüler ab ca. 14 Jahren geeignet. Sie orientiert sich thematisch an den Vorgaben der Lehrpläne für Niedersachsen und Hessen und an den Inhalten der Schulbücher, die in diesen Bundesländern zugelassen sind.

Innerhalb der Lehrpläne ist die Thematik „Griechenland und Rom“ sowohl für die Fächer Geschichte, Griechisch, Latein als auch für Kunst vorgesehen. Schwerpunkte, die der vorliegenden Lektion inhaltlich sehr nahe kommen, sind dabei u.a. „Rom im Bürgerkrieg“, „Imperium Romanum“, „Krisen und Umbrüche“ sowie „Menschendarstellung in verschiedenen Epochen“ inklusive Rezeption, Analyse und Interpretation.

Dieses Bild deckt sich mit den Lehrbüchern, in denen die Thematik „Augustus und seine Zeit“ jeweils im Rahmen eines eigenen Kapitels abgehandelt wird.

Für den Fall der unterrichtsbegleitenden Nutzung des Angebots, finden Sie als Lehrer Vorschläge für Arbeitsaufträge zu den einzelnen Lektionen jeweils unter der Option „Zeitreise“ am Ende eines Kapitels.

Die „Leitthemen“ geben einen groben Überblick über die Inhalte der einzelnen Module und können als Anregung bzw. Leitfaden für das Unterrichtsgespräch dienen.

Der interaktive „Wissenstest“ mit gemischten Fragen nach dem Prinzip Multiple Choice, Freitexteingabe und Manipulation kann zur Lernerfolgskontrolle eingesetzt werden. Hier werden Fragen zur Thematik der jeweiligen Lektion gestellt. Für jede Frage werden Punkte vergeben; die maximal zu erreichende Punktzahl ist jeweils eingeblendet. Zum Abschluss des Tests erhält der Schüler eine Übersicht der beantworteten Fragen und seiner erreichten Punktzahl. Diese Übersicht lässt sich ausdrucken; anhand der erreichten Punktzahl haben Sie als Lehrer die Möglichkeit, die Leistung der Schüler eigenständig zu bewerten bzw. einzustufen.

  • Wodurch war das offizielle Porträt des Augustus gekennzeichnet?
  • Wie beeinflusste das Augustus-Porträt als Trendsetter eine gesamte Epoche?
  • In welchem Verhältnis steht das Augustus-Porträt zum politischen Programm des Kaisers?
  • Welches Bild vermittelt die Literatur seiner Zeit von Augustus?
  • Wodurch unterschieden sich Augustus und seine Ehefrau Livia von Herrscherpaaren vor ihrer Zeit?
  • Wie wird die „göttliche Abstammung“ des Augustus und anderer Mitglieder der Dynastie in Bildern dargestellt?
Pompeius. Kopenhagen, NCG
Bildnisbüste Caesars
M. Licinius Crassus. Kopenhagen, NCG

In den Machtkämpfen der späten Römischen Republik zwischen Pompejus, Caesar und Crassus wurden auch Porträts eingesetzt. Zwar gab es auch schon früher Porträts von führenden Politikern, bei diesen handelte es sich jedoch um einzelne Ehrenstatuen, die nicht der Propaganda dienten. Erst die Bildnisse von Pompejus, Caesar und Crassus wurden von ihren Anhängern weiter verbreitet und erschienen auch auf Münzen. Diese Bildnisse wurden jeweils nach einem einzigen Entwurf vervielfältigt; so waren sie leicht wiederzuerkennen und prägten sich ein.

Pompejus, Caesar und Crassus waren schon reife Männer, als ihre Porträts in die Öffentlichkeit kamen. Von ihren Zeitgenossen wurde Alter nicht negativ gesehen, sondern stand für Weisheit und Erfahrung. Diese Werte wurden im öffentlichen Leben Roms hochgeschätzt. Die Lebenserfahrung, die sich in den Alterszügen der Politikergesichter ausdrückte, gehörte gewissermaßen zu ihrem politischen Programm. Nach der Ermordung Caesars an den Iden des März 44 v. Chr. brachen neue Machtkämpfe aus.

Augustus, Octavians-Typus. Rom, Musei Capitol.

Octavian, der Adoptivsohn Caesars, war nicht einmal zwanzig Jahre alt, als er nach dessen Tod plötzlich einer der wichtigsten Politiker Roms wurde. In diesem jugendlichen Alter konnte er weder auf Erfahrungen noch auf Alterszüge bauen, sondern nur als Sohn Caesars auftreten. Sein politisches Programm musste daher auf andere Inhalte setzen. Nachdem Caesar durch Gesetz unter die Götter aufgenommen war, nannte sich Octavian divi filius (=Sohn des Vergöttlichten).

Die Bildnisse Octavians aus diesen Jahren zeigen ihn als energischen jugendlichen Helden. Die alten Politiker der späten Republik hatten Bürgerkriege geführt; Octavian setzte das Bild eines Neuanfangs mit einem jungen Herrscher dagegen.

In dieser Zeit wurde auch eine Weissagung öffentlich verbreitet, die ein Astrologe schon früh aus dem Horoskop des Caesarsohnes herausgelesen haben soll: Dieser Knabe würde einmal Rom beherrschen, und unter seiner Herrschaft würde es Frieden und Wohlstand für alle geben.

Augustus, Typus Prima Porta. Chiusi
Augustus, Octavians-Typus. Rom, Musei Capitol.

Nach dem Sieg im Bürgerkrieg 31 v. Chr. führte Octavian in Rom eine neue Ordnung ein. Zugleich wurde ein neues Bildnis verbreitet, das nun an die Stelle des Jugendporträts trat. Es brachte das veränderte Selbstverständnis des Prinzeps zum Ausdruck, der nun auch den Ehrentitel Augustus (=der Erhabene) trug.

Dieser neue Porträttypus unterscheidet sich durch seine harmonischen Züge von den knochigen und unregelmäßigen Formen seines Vorgängers. Der angestrengte Gesichtsausdruck ist einer ruhigen und erhabenen Mimik gewichen. Die hastig wirkende Kopfbewegung des Jugendbildnisses ist in eine zeitlose und distanzierte Würdehaltung überführt. Anstelle der heftig gesträubten Stirnhaare sind am neuen Porträt die Locken sorgfältig nach dem Prinzip von Bewegung und Gegenbewegung (Kontrapost) geordnet, eine Stilisierung, die Kunstwerken der griechischen Klassik abgeschaut ist.

Augustus, Typus Prima Porta. Vatikan
Statue des Doryphoros

Nach dem Sieg im Bürgerkrieg 31 v. Chr. führte Octavian in Rom eine neue Ordnung ein. Zugleich wurde ein neues Bildnis verbreitet, das nun an die Stelle des Jugendporträts trat. Es brachte das veränderte Selbstverständnis des Prinzeps zum Ausdruck, der nun auch den Ehrentitel Augustus (=der Erhabene) trug.

Dieser neue Porträttypus unterscheidet sich durch seine harmonischen Züge von den knochigen und unregelmäßigen Formen seines Vorgängers. Der angestrengte Gesichtsausdruck ist einer ruhigen und erhabenen Mimik gewichen. Die hastig wirkende Kopfbewegung des Jugendbildnisses ist in eine zeitlose und distanzierte Würdehaltung überführt. Anstelle der heftig gesträubten Stirnhaare sind am neuen Porträt die Locken sorgfältig nach dem Prinzip von Bewegung und Gegenbewegung (Kontrapost) geordnet, eine Stilisierung, die Kunstwerken der griechischen Klassik abgeschaut ist.

Du gibst einem antiken Bildhauer nach dem Bürgerkrieg 31 v. Chr. den Auftrag, ein neues Bildnis des Augustus herzustellen. Notiere ihm vorab als Gedankenstütze die Merkmale, wodurch sich dieses neue Porträt von den alten Octavianbildnissen unterscheiden soll. Um dem Bildhauer einen besseren Überblick zu verschaffen, kannst du die Unterschiede zwischen den beiden Porträttypen auch in Form einer Tabelle (Octavian vs. Augustus) gegenüberstellen.

Quellen
Literatur
Paul Zanker: Augustus und die Macht der Bilder. Beck, München, 1998
Werner Eck:: Augustus und seine Zeit. Beck, München, 2003
Augustus, Typus Forbes. Rom, Musei Capitol.
Agrippa, Typus Gabii. Paris, Louvre

Das neue Bildnis sollte die öffentliche Darstellung des Augustus über Jahrzehnte prägen. Es gibt keine Bildnisse des Kaisers, die ihn gealtert zeigen, obwohl er 73 Jahre alt wurde.

Augustus musste am Beginn seiner Karriere seine Jugend als positiven Wert darstellen, gegen Kritiker, die ihm Unerfahrenheit vorwarfen. Diese Selbstdarstellung war so erfolgreich, dass man sie nicht mehr aufgab, als Augustus älter wurde. Das Bildnis des jugendlichen Herrschers wurde zu einem idealisierten, alterslosen Bildnis.

Dass diese Stilisierung auf ewige Jugend Programm war, zeigt auch ein Vergleich des Augustusporträts mit Porträts des Agrippa. Dieser General und Vertraute des Augustus war sein Altersgenosse, doch wird er als Mann in reifen Jahren dargestellt.

Marc Aurel, Typus 1. Rom, Musei Capitol.
Büste des Marc Aurel

Dabei gab es durchaus auch andere Möglichkeiten für die Darstellung eines Kaisers, der schon in jungen Jahren der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Die Bildnisse des Kaisers Marc Aurel, der im 2. Jahrhundert n. Chr. regierte, zeigen ihn in verschiedenen Porträttypen vom Kronprinzen (links) bis zum Kaiser (rechts). Hier ist der Alterungsprozess an verschiedenen Porträts des Herrschers deutlich nachzuvollziehen. Doch ging man auch hier nicht so weit, den Kaiser als alten Mann darzustellen.

Du hast gelesen, dass die Art der Darstellung von Herrschern immer auch Teil ihres politischen Programms ist. Erinnere dich daran, wie sich die Vorgänger des Augustus darstellen ließen und wie er selbst sich porträtieren ließ. Diskutiere den Unterschied und die Gründe dafür mit deinem Banknachbarn.

Sammlung
Quellen
Literatur
Paul Zanker: Augustus und die Macht der Bilder. Beck, München, 1998
Werner Eck:: Augustus und seine Zeit. Beck, München, 2003
Augustus, Typus Prima Porta. München, Glyptothek
Büste eines augusteischen Prinzen
Iul.-claud. Privatporträt. Neapel, Mus. Naz.

Das allgegenwärtige Kaiserporträt wirkte im augusteischen Rom als Vorbild − ähnlich wie sich Jugendliche heute in Modefragen am Vorbild ihrer Lieblingsstars oder Fernsehidole orientieren. Besonders die Angehörigen des Augustus wurden so dargestellt, dass sie ihm zum Verwechseln ähnlich sehen. Doch auch Kleidung, Haartracht und Gesichtszüge römischer Privatporträts wurden an die Bildnisse des Augustus und seiner Familie angeglichen; sie folgten damit dem Schönheitsideal der Zeit.

Bildnis des Tiberius
Caligula, Haupttypus. Malibu, Getty Mus.
Claudius, Haupttypus. Braunschweig
Auch die Nachfolger des Augustus ließen ihre Porträts an sein Bildnis angleichen. Die Porträts des Tiberius und Caligula unterscheiden sich kaum von denen des Augustus. Bemerkenswert ist, dass sich auch Tiberius als Kaiser jugendlich darstellen ließ, denn er kam erst im Alter von über 60 Jahren an die Regierung. Erst Claudius, der ebenfalls als älterer Mann Kaiser wurde, wich von dieser Art der Darstellung ab; seine Bildnisse folgen zwar noch der gleichen Frisurmode, zeigen aber Alterszüge.
Augustus, Typus Prima Porta. Vatikan
Terra Sigillata (Ausschnitt). Berlin, Antikenslg. (?)

Während in der Zeit vor Augustus die jeweilige Epoche das Gesicht der Menschen prägte, wurde in der Kaiserzeit das Gesicht der Epoche durch das Kaiserbild geprägt.

Dies führt sogar dazu, dass die Unterscheidung zwischen Kaiserporträt und anonymer Figur manchmal schwierig wird.

Ein Beispiel dafür ist die Darstellung auf einer Scherbe eines antiken Trinkgefäßes aus Ton. Das Relief dieser sog. Terra Sigillata wurde mit Stempeln in eine Formschüssel eingedrückt, mit deren Hilfe zahlreiche Becher hergestellt wurden. Die Figuren der Becher stellen niemand bestimmtes dar.

 

Auf diesem Becher sind eine Reihe von Figuren beim Trinkgelage abgebildet; die Gesichtszüge und Frisur der Männer sind an das Augustusbildnis angeglichen. Ihre Haare sind streng stilisiert und begrenzen die Stirn in ausgewogenen Proportionen zum Gesicht. Die Köpfe ahmen auch in ihrem ernsten, würdigen Ausdruck und der stolz aufgerichteten Haltung offizielle Porträts nach.

In einem Bild, das ein fröhliches Fest darstellt, wirkt diese Stilisierung merkwürdig. War das würdige Bild des Kaisers wirklich in jeder Lebenslage Vorbild, oder wollte man sich leise darüber lustig machen?

Erinnere dich daran, dass Augustus der Trendsetter für eine ganze Epoche war. Schau dir vor diesem Hintergrund mal die Bilder deiner Lieblingsstars in einer Jugendzeitschrift an und notiere, welche Trends sie vorgeben. Vielleicht fallen dir Ähnlichkeiten zu Augustus auf.
Quellen
Literatur
Paul Zanker: Augustus und die Macht der Bilder. Beck, München, 1998
Werner Eck:: Augustus und seine Zeit. Beck, München, 2003
sog. Tellus-Relief der Ara Pacis

Die Selbstdarstellung des Kaisers und seiner Familie durchzog alle Bereiche der Kunst und war stets mit politischen Aussagen verbunden. Ein zentrales Thema war die neue Friedenszeit, die nach den Bürgerkriegen allen Römern Wohlstand bringen sollte. So wurde in Literatur und Kunst der Beginn der aurea aetas, also des Goldenen Zeitalters ausgerufen.

Ein Beispiel dafür ist das Tellus-Relief der Ara Pacis (= Altar des Friedens). Die Beschwörung der Fruchtbarkeit der Natur in einer friedlichen Welt steht im Mittelpunkt der Darstellung: Die mütterliche Gottheit Tellus (=Mutter Erde) sitzt würdevoll mit zwei Säuglingen im Arm auf einem Felsen. In ihrem Schoß liegen Früchte und ihr Haar ist mit einem Kranz aus Ähren und Mohn geschmückt.

sog. Tellus-Relief der Ara Pacis
Livia, Ceres-Typus. Bochum

Diese Pflanzen wachsen auch hinter ihr. Die Personifikation der Erde wird von zwei weiteren Frauengestalten eingerahmt, die auf einem Vogel und einem Seeungeheuer reiten, und damit Luft und Meer symbolisieren. Das Relief ist also eine symbolische Darstellung der ganzen Welt.

Die Gesichtszüge der Göttin Tellus ähneln stark denen der Livia, der Ehefrau des Augustus. Damit ist das Kaiserhaus als Bringer von Frieden und Wohlstand auch in diesem Bild präsent, das die Fruchtbarkeit der Erde preist.

Nach dem Ende der Bürgerkriege zog Augustus friedliche Verhandlungen Kriegszügen vor. So konnte er im Orient bei den Parthern Erfolge erzielen.

Augustus, Typus Prima Porta. Vatikan
Statue des Doryphoros

An diesen Friedensschluss mit den Parthern im Jahre 20 v. Chr. erinnert die Panzerstatue des Augustus von Prima Porta mit den Reliefs auf dem Brustpanzer. Die Panzerstatue porträtiert Augustus als erfolgreichen Feldherrn.

In Haltung und Bewegung gleicht die Augustusstatue jedoch dem Doryphoros von Polyklet und erinnert so an die Darstellung griechischer Heroen oder Götter klassischer Zeit. Als römischer Feldherr tritt Augustus jedoch nicht nackt auf, wie die Heroen des Mythos; er trägt Panzer, Tunika und Mantel. Augustus hat hier allerdings keine Sandalen an, die sonst zur Militärtracht gehören, sondern geht barfuß wie der Doryphoros.

Auch andere Details geben Hinweise darauf, dass das Bildnis Augustus über das Menschenmaß hinaus in eine göttliche Sphäre heben sollte. Besonders auffallend ist der kleine Amor neben dem linken Fuß des Augustus, der auf einem Delphin reitet. Er spielt darauf an, dass schon Caesar seine Abstammung auf Venus als Urahnin zurückführte. Damit sind alle Nachkommen dieser Familie Götterkinder, wie Amor, der Sohn der Venus.

Die Verschmelzung griechischer Formen mit den individuellen Zügen des Prinzeps gibt der Statue eine politische Dimension. Die Formen der griechischen Kunst standen für dauerhafte Werte, wie Würde und Autorität. Diese Werte wollte Augustus fest an seine Person binden.

Die Künstler und Auftraggeber seiner Zeit waren nur zu bereit, sich an den Vorgaben, die von Augustus und seiner Umgebung gesetzt wurden, zu orientieren. So wurden das Bild und das politische Programm seiner Bildkunst weit verbreitet.

Die Statue stand außerhalb Roms in der Villa von Prima Porta, die Livia, der Ehefrau des Augustus, gehörte. Die Statue ist mit 2,04 m Höhe überlebensgroß. Da sie in einer Nische stand und die Rückseite nicht sichtbar war, ist sie nur auf der Vorderseite detailliert ausgearbeitet.

Brustpanzer des Augustus von Prima Porta

Der Brustpanzer der Statue von Prima Porta ist mit vielen Figuren verziert, die wie ein politisches Programm zu lesen sind: Im unteren Bereich ist, wie auf der Ara Pacis, Tellus (=Mutter Erde) mit ihren Kindern zu sehen. Darüber reiten an den Seiten die Schutzgötter des Kaisers, Apollo und Diana, auf ihren Lieblingstieren.

In der Mitte ist der Friedensschluss mit den Parthern aus dem Jahr 20 v. Chr. dargestellt:

Der Partherkönig gibt einem römischen Feldherrn einen der Legionsadler zurück, die Crassus 53 v. Chr. bei einer Niederlage verloren hatte.

Die Figuren rechts und links von dieser Szene stellen Vertreter besiegter Völker in Ost und West dar, weisen also auf siegreich geführte römische Eroberungskriege hin. Darüber lenkt der Sonnengott seinen Wagen über den Himmel; vor ihm fliegt die Göttin der Morgenröte. Darüber breitet der Himmelsgott seinen Mantel aus.

Die Gestaltung des Brustpanzers illustriert die Vorstellung vom „Goldenen Zeitalter“ des Augustus, das durch das segensreiche Wirken des Kaisers auf der ganzen von Rom beherrschten Welt herbeigeführt wurde. Als Götterspross, der nach Vorsehung und Götterwillen handelt, garantiert er die Ordnung der Welt durch seine bloße Existenz, ohne dass kriegerische Taten nötig sind. Damit vermittelt die Statue des Augustus von Prima Porta eine neue Siegesideologie: Danach muss sich die Sieghaftigkeit des Herrschers nicht im Kampf bewähren, sondern ist Folge seiner engen Verbindung mit den Göttern und damit von immer gleichbleibender Qualität.

Togastatue des Augustus. Korinth

Die Propagierung der über menschliches Maß hinausgehenden, geradezu göttlichen Qualitäten des Kaisers musste vorsichtig gehandhabt werden; denn in Rom gab es hartnäckige Widerstände gegen die Einführung der Monarchie. Augustus legte deshalb Wert auf die Erhaltung des Anscheins, dass er die die republikanische Ordnung wiederhergestellt habe. Er versicherte, dass er die nach republikanischer Verfassung gewählten Magistrate nicht an Macht übertreffe, sondern nur durch sein Maß an Verantwortung und durch sein persönliches Ansehen. Dementsprechend trat er nicht wie ein König auf, sondern kleidete sich wie die übrigen Senatoren mit der Toga. Er wollte sich selbst als „erster Bürger“ (lat. princeps civium) verstanden sehen, was seiner Herrschaftsform die Bezeichnung „Prinzipat“ einbrachte. Diese Zurschaustellung von Einfachheit, Frömmigkeit und Bescheidenheit spiegelt sich auch in der augusteischen Bilderwelt wider.

So waren Togastatuen des Augustus weit verbreitet: Als Mitglied der vier wichtigsten Priesterkollegien und als oberster Priester ließ sich Augustus gern als opfernder und betender Togatus darstellen.

Augustus beim Opfer

Die so zur Schau gestellte Frömmigkeit sollte dem Betrachter vermitteln, dass der Prinzeps im Vollzug der religiösen Pflichten seine höchste Aufgabe und Ehre sah. Die Toga, die Augustus trägt, wurde erst in seiner Zeit zum feierlichen Staatsgewand: Zuvor war sie ein eher knapp geschnittener Umhang; jetzt wurde sie zu einem stoffreichen, aufwendig drapierten Gewand, das für den Alltag viel zu unpraktisch war. Diese Form der Ehrenstatue passte zur politischen Lage und ließ die Frage nach dem Verhältnis von tatsächlicher Macht und Verfassung verstummen.

Am Tag nach deinem Besuch im Museum fand ein Diebstahl statt. Gestohlen wurde die Statue des Augustus von Primaporta. Gib eine Fahndung mit genauer Beschreibung heraus.
Quellen
Literatur
Paul Zanker: Augustus und die Macht der Bilder. Beck, München, 1998
Werner Eck:: Augustus und seine Zeit. Beck, München, 2003
Bukolisches Relief 'Bauer und Kuh'

In der Zeit des Augustus nahmen bildende Kunst und Literatur in Rom einen zuvor nie da gewesenen Aufschwung. Livius schrieb seine große Römische Geschichte. Die letzten neun der insgesamt 142 Bücher dieses Werkes beschäftigen sich mit der Regierungszeit von Augustus.

Berühmte Dichter der Zeit sind Vergil, Horaz, Properz, Tibull und Ovid. Ihre Dichtungen behandeln zu einem großen Teil Themen, die denen der Staatskunst entsprechen: Sie besingen das Goldene Zeitalter und ein idealisiertes Landleben, bemühen sich um eine Wiederherstellung altehrwürdiger Traditionen (oder was man dafür hielt) und preisen den göttlichen Knaben, der diese Zeit herbeiführte. So tragen auch Bilder und Dichtungen, die sich anscheinend nur mit dem einfachen, aber glücklichen Leben auf dem Land beschäftigen, zum höheren Ruhm der neuen augusteischen Ordnung bei.

Ein literarisches Bild des Augustus gibt z.B. die Ode IV 15 des römischen Dichters Horaz (65-8 v. Chr.).

Versetz dich in die Rolle eines Künstlers oder Dichters zur Zeit des Augustus. Überlege dir, welche Themen du in deinem Werk auf jeden Fall aufgreifen solltest, um denen der Staatskunst zu entsprechen und die augusteische Ordnung zu stärken. Stell dir eine Merkliste mit den wichtigsten Punkten zusammen.
Sammlung
Quellen
Horaz Ode IV 15
Literatur
Augustus, Octavians-Typus. La Alcudia
Livia, Typus Kopenhagen 615. Kopenhagen, NCG

Vor der Zeit des Augustus spielten Frauen in der Politik Roms keine öffentliche Rolle, denn sie konnten nicht wählen und auch nicht in politische Ämter gewählt werden. Dies änderte sich im 1. Jahrhundert v. Chr., denn die Allianzen, die durch Heirat geschlossen wurden, waren nun Thema der öffentlichen Selbstdarstellung führender Politiker. Hinzu kam, dass die Rolle der Frauen als Mütter von möglichen Nachfolgern wichtig wurde, als die Macht im Staat auf eine Dynastie überging. Darum mussten neue Formen der Darstellung von Frauen gefunden werden.

Livia gehört zu den ersten Damen, die mit Individualporträts geehrt wurden. Der Entwurf dieser Bildnisse entstand in der Zeit, als ihr Mann noch als Octavian in die Bürgerkriege der Zeit verwickelt war. Sie trägt in ihren frühen Porträts eine der aufwendig arrangierten Modefrisuren, die in dieser Zeit erstmals zu beobachten sind: Die Haare werden zu einem Stirnbausch, Zöpfen und Wellen frisiert, und schließlich in einem Nackenknoten zusammengefasst. Es ist bekannt, dass zu diesen Frisuren kostbarer Schmuck gehörte; doch Livia verzichtet in ihren Bildnissen darauf, wohl mit Rücksicht auf die von ihrem Ehemann proklamierte Rückkehr zur republikanischen Schlichtheit. Jeder Anschein von königlichem Luxus sollte vermieden werden.

Augustus, Typus Prima Porta. Chiusi
Livia, Ceres-Typus. Bochum
Hermenbüste des Doryphoros
Hermenbüste einer Amazone

Wie das Porträt des Augustus in den Jahren seiner unangefochtenen Alleinherrschaft wurde auch das Bildnis der Livia in ihren späteren Jahren in eine zeit- und alterslose Form überführt, die sich an den bewunderten Formen der griechischen Klassik orientierte. Wir sehen nicht mehr die modisch frisierte junge Frau, sondern die große Dame, die wie eine Göttin oder mythischen Figur erscheint. Dazu eignet sich die schlichte Mittelscheitelfrisur der späteren Porträts der Livia.

Als Augustus Tiberius, den Sohn Livias aus erster Ehe, 4 n. Chr. adoptierte und dieser so zum Thronfolger wurde, festigte sich Livias Stellung weiter.

Damit hatte sich das iulische Geschlecht des Augustus nun endgültig mit dem claudischen Geschlecht der Nachkommen der Livia zur iulisch-claudischen Dynastie verbunden.

Ein Denkmal dieser Zeit ist eine Gruppe von Büsten aus Ägypten in Kopenhagen. Sie zeigt neben Augustus den Thronfolger Tiberius und dessen Mutter Livia, die die Verbindung zwischen den beiden Männern herstellte.

Livia, Typus Kopenhagen 615. Kopenhagen, NCG
Augustus, Typus Prima Porta. Kopenhagen, NCG
Tiberius, Adoptions-Typus. Kopenhagen, NCG
Stell dir vor, du müsstest einem antiken Bildhauer den Auftrag geben, ein Individualporträt der Livia herzustellen. Schreibe ihm vorab genau auf, welche Merkmale dieses Porträt unbedingt aufweisen muss.
Sammlung
Quellen
Literatur
Paul Zanker: Augustus und die Macht der Bilder. Beck, München, 1998
Werner Eck:: Augustus und seine Zeit. Beck, München, 2003

Der Ausdruck domus divina bezeichnet die „Herrschaft eines Geschlechts von Göttersöhnen“. Während der Herrschaft des Augustus waren Porträts, die ihn „gottgleich“ darstellten, öffentlich nur außerhalb Roms zu sehen. Nach seinem Tode und offiziellen Aufnahme unter die Götter waren solche Darstellungen auch in Rom selbst legitim. Nach dem Vorbild des Augustus wurden später weitere römische Kaiser und ihre Frauen nach ihrem Tode offiziell unter die Götter aufgenommen.

Doch auch lebende Mitglieder der Dynastie konnten mit Götterattributen dargestellt werden. Die erhaltenen Denkmäler sind oft sehr kostbar: Geschnittene Edelsteine gehörten wohl oft dem Kaiserhof selbst, sie waren jedenfalls nur einem kleinen Kreis von hochgestellten Betrachtern zugänglich.

Livia-Kameo

Hier musste man weniger Zurückhaltung in der Selbstdarstellung üben als in der Öffentlichkeit.

Livia wird auf einem Kameo in Wien als Priesterin des göttlichen Augustus und zugleich selbst als Gottheit dargestellt. Auf einem Thron sitzend hält sie die Büste des Augustus in der Hand. Ähren, Tympanon und das Diadem mit Mauerzinnen gleichen sie den Göttinnen Ceres und Magna Mater an. Das von der Schulter gleitende Gewand ist eine Anspielung auf die Göttin Venus.

Die Büste des Augustus trägt einen Strahlenkranz, wie sonst Bilder des Sonnengottes – er ist also zu einem neuen Stern am Götterhimmel geworden.

Seit Alexander dem Großen wurden hellenistische Herrscher in Gestalt des obersten Gottes Zeus (lateinisch Jupiter) dargestellt. Dieses Götterbild wurde auch als Vorlage für Augustus-Bildnisse verwendet. Davon zeugt die sog. Gemma Augustea.

Das Relief zeigt Augustus als Iupiter neben Roma thronend. Er hält ein Szepter als Zeichen der militärischen Obergewalt in seiner rechten Hand.

Gemma Augustea. Wien, Kunsthist. Mus.
Gemme Jupiter

Sein Blick ruht auf Tiberius und den Prinzen vor ihm, die unter seinem Oberbefehl in den Krieg ziehen. Im unteren Bereich des Bildes ist der Sieg der römischen Truppen dargestellt. Soldaten richten neben Gefangenen ein Siegeszeichen auf. Das Bild spielt wohl auf Siege des Tiberius an. Die Sieghaftigkeit des Augustus hat sich hier wie eine göttliche Kraft auf Tiberius und die Prinzen übertragen. Hinter dem Thron des Augustus vervollständigen Personifikationen der befriedeten, glücklichen Erde das Bildprogramm.

Während einer Klassenfahrt besucht ihr ein Gipsabgussmuseum. Per E-Mail willst du deinen Geschwistern und Eltern zuhause berichten, was du dort gesehen hast. Da dich die geschnittenen Halbedelsteine (Kameen) besonders beeindruckt haben, lieferst du deiner Familie eine genaue Beschreibung der Gemma Augustea.
Sammlung
Quellen
Literatur
Paul Zanker: Augustus und die Macht der Bilder. Beck, München, 1998
Werner Eck:: Augustus und seine Zeit. Beck, München, 2003

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